Die soziale Natur von Träumen

(Nächtliche) Träume unterscheiden sich in zwei zentralen Aspekten vom Leben im Wachzustand: Aktivitäten mit hohem Arousal und soziale Interaktionen sind deutlich überrepräsentiert. Selten träumen Menschen davon, entspannt ein Buch zu lesen oder alleine den Abend zu verbringen, selbst wenn sie dies im Wachleben häufig tun. Selektiert werden stattdessen konsequent Aktivitäten, die eine hohe körperliche Aktivierung erfordern und ständige soziale Interaktion enthalten. Vor allem der soziale Aspekt ist in den letzten zehn Jahren in den Fokus der Traumforschung gerückt, siehe zum Beispiel hier.

Ausgehend von der Idee der sozialen Überrepräsentation kann man erwarten, dass Menschen, die einen hohen Score auf der Big-Five-Skala Agreeableness erzielen, ein Maß für Empathie und soziale Wärme, häufiger intensive Träume erleben. Das bestätigt sich in einem Datensatz aus dem Harvard Dataverse (n = 220) sehr schön, wobei der traumfördernde Effekt erst bei einem sehr hohen Level an Empathie auftritt.

Menschen im Bereich von Mangel an Empathie bis leicht überdurchschnittlicher Empathie berichten von derselben Häufigkeit intensiver Träumen (einige pro Monat), während Menschen, bei denen die Empathie um eine Standardabweichung oder mehr über dem Durchschnitt liegt, häufiger intensive Träume haben (einige pro Woche). Zur letzteren Gruppe, Empathie > 1 STD, gehören entsprechend der Normalverteilung von Empathie etwa 16 % aller Menschen. Der Unterschied in der Häufigkeit ist sowohl gemäß einer Regression wie auch gemäß einer ANOVA signifikant mit p < 0.001, ein verlässliches Ergebnis.

Die Regression offenbart einen weiteren interessanten Hinweis auf die soziale Natur von Träumen. Menschen, die davon berichten oft neidisch auf die Erfolge anderer Menschen zu sein, scheinen auch mit erhöhter Frequenz intensive Träume zu erleben. Hier ist der Effekt jedoch nur noch in der Regression statistisch signifikant und auch nur mit p < 0.05.

Nur am Rande: Ein anderer Aspekt, ein Klassiker der Traumforschung, zeigt sich in dem Datensatz auch sehr schön. Schon seit Freud wird spekuliert, dass Träume jenes auffangen, was im Wachzustand nicht ordentlich bearbeitet wird. Wer seine Probleme im Wachzustand beiseite schiebt, der wird in den Träumen davon eingeholt. Zumindest einen Teil dieser Hypothese sieht man im Datensatz. Menschen, die sich im Wachzustand von ihren Problemen ablenken, erleben häufiger intensive Träume. Ob die Träume dann auch wirklich diese Probleme bearbeiten, ist aus dem Datensatz leider nicht zu sehen. Man darf es aber vermuten. Und man darf vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung auch vermuten, dass soziale Probleme stärker wirken als Probleme anderer Natur. Der Effekt ist in der Regression signifikant mit p < 0.01.

Wieso sind Träume sozialer Natur? Darüber kann man leider nur spekulieren. Soziale Interaktionen unterscheiden sich vor allem in der Komplexität von den Interaktionen mit der unbelebten Welt. In der unbelebten Welt führt derselbe Input immer zu demselben Output. Ist die Verbindung eines gewissen Inputs mit einem Output mal gemacht, dann ist jegliche Simulation des Prozesses hinfällig. Stein wird losgelassen, Stein fällt – das ändert sich nie. Bei Menschen hingegen kann derselbe Input zu radikal verschiedenen Ergebnissen führen. Eine Simulation verschiedener Ausgänge und der optimalen Reaktion darauf kann somit einen Vorteil bringen und manchmal sogar einen, der relevant für die Reproduktion oder das Überleben ist. Es erscheint zumindest plausibel, dass ein solcher Mechanismus im Rahmen der Evolution bevorzugt selektiert wird. Die Überrepräsentation von Aktivitäten mit hoher Aktivierung, darunter oft auch Gefahrensituation, unterstreicht diese Idee.

Das klingt schlüssig, jedoch gibt es einige Probleme an der Theorie des Traums als (zweckgetriebene) soziale Simulation. Eine Simulation, die Nutzen stiftet, muss einen ausreichend geringen Vorhersagefehler besitzen. Und somit auf Bildern und Regeln basieren, die ein plausibles Abbild der Welt erzeugen. Wer sich gedanklich auf ein Job-Interview vorbereitet, wird eine plausible Repräsentation eines Büros simulieren, dieses mit einer plausiblen Repräsentation eines HR-Mitarbeiters füllen und jener Person plausible Regeln zur Interaktion verleihen. Die Realität ist immer anders als gedacht, aber sofern die Vorhersagefehler nicht zu grob sind, lässt sich dem einen Nutzen entlocken.

Träume hingegen scheinen i.d.R. kein plausibles Abbild der Welt zu bieten. Traumwelten basieren auf dem Prinzip der Verfügbarkeit von Bildern. Eingang finden Bilder, welche erst kürzlich erlebt wurden und somit leicht zugänglich sind. Bilder, welche eine besondere Präsenz im Wachleben besitzen, etwa weil sie wiederkehrend sind. Und Bilder, welche assoziativ eng mit jenen Bildern verbunden sind, die sich schon in der Traumwelt befinden. Interaktionen können temporär plausibel sein, aber auch schnell bizarre Züge annehmen. Kann eine Simulation in einer solchen Umgebung einen Nutzen im (sozialen) Wachleben stiften? Man darf es anzweifeln.

Eine einfachere Erklärung für die soziale Natur der Träume ist die Umkehrung des Verfügbarkeitsprinzips. Träume sind sozial geprägt weil soziale Bilder dem Gehirn leichter zugänglich sind. Und letzteres könnte sich schlicht daraus ergeben, dass unsere Gedanken im Wachleben von sozialen Beziehungen dominiert sind (wiederkehrende Bilder). Dieser Erklärungsansatz lässt die Frage nach dem Zweck von Träumen an sich natürlich unbeantwortet. Das muss aber keine Schwäche sein, denn es lässt Raum für die Theorie des Traums als Interpretation zufälliger elektrischer Entladungen im Gehirn, einer der elegantesten Theorien des Träumens.

Eine Frage bleibt noch: Wieso erleben empathische / sozial-warme Menschen häufiger intensive Träume? Nach der Umkehrung des Prinzips der Verfügbarkeit kann man erwarten, dass die Träume solcher Menschen stärker sozial geprägt sind. Aber ohne Zusatz erklärt das nicht, wieso sie auch häufiger intensive Träume erleben. Das Verfügbarkeitsprinzip berührt nur die Inhalte von Träumen, nicht deren Stärke oder Frequenz. Welcher Zusatz kann hier weiterhelfen?

Eine Idee wäre der Blick auf die emotionale Resonanz. Träume werden nicht nur gesehen, sondern auch emotional erlebt. Das zeigt sich ganz klar an Alpträumen, gilt aber auch für alle anderen Träume. Man kann erwarten, dass die reichlich im Traum vorhandenen sozialen Bilder bei empathischen Menschen eine stärkere emotionale Reaktion auslösen. Setzt man also die soziale Natur der Träume voraus, worauf vieles hindeutet, und berücksichtigt man die emotionale Komponente des Träumens, so ist es nur logisch, und sogar unausweichlich, dass Empathie ein guter Prediktor für intensive Träume darstellt.

Wie wahrscheinlich ist es, jemanden mit derselben Persönlichkeit zu treffen?

Jedes der Big-Five-Merkmale genügt einer Standardverteilung, so dass etwa 16 % aller Menschen eine Standardabweichung oder mehr unter dem Durchschnitt liegen (LOW), 68 % im Durchschnitt (AVERAGE) und nochmals 16 % eine Standardabweichung oder mehr über dem Durchschnitt (HIGH). Gegeben eine Person mit einem bestimmten Big-Five-Persönlichkeitsprofil, zum Beispiel:

  • Extraversion: AVERAGE
  • Agreeableness: HIGH
  • Conscientiousness: LOW
  • Openness / Intellect: HIGH
  • Neuroticism: HIGH

Wie wahrscheinlich ist es, dass eine zufällig gewählte Person exakt dasselbe Profil besitzt? Diese Wahrscheinlichkeit macht sich nur daran fest, wieviele der fünf Merkmale im Durchschnitt liegen (n). Im obigen Beispiel wäre n = 1, da es nur ein Merkmal gibt, das im Durchschnitt liegt. Mit etwas Nachdenken kommt man auf diese Formel für die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig gewählte Person ein gegebenes Persönlichkeitsprofil erfüllt*:

p(n) = 0,68^n * 0,16^(5-n)

Liegen alle Merkmale einer Person im Durchschnitt, also n = 5, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zufallsbekanntschaft in der Persönlichkeit übereinstimmend ist, etwa 15 % oder 1 zu 7. Hier die gesamte Tabelle:

  • n = 5 —> p = 15 % = 1/7
  • n = 4 —> p = 4 % = 1/25
  • n = 3 —> p = 1 % = 1/100
  • n = 2 —> p = 0,2 % = 1/500
  • n = 1 —> p = 0,05 % = 1/2.000
  • n = 0 —> p = 0,01 % = 1/10.000

Für das obige Profil, welches meines ist, beträgt die Wahrscheinlichkeit nur 1 zu 2.000 eine vollkommen gleichgestrickte Person zu treffen. In der Stadt Freiburg gäbe es demnach, das natürlich rein nach dem Big-Five-Profil beurteilt, 130 Versionen von mir. Wer überall im Normbereich liegt, findet hingegen stolze 37.000 Big-Five-Doppelgänger in Freiburg.

Man kann beides positiv oder negativ sehen. Romantische Beziehungen basieren, wie in anderen Blog-Einträgen festgestellt, vor allem auf dem Prinzip “Gleich und Gleich”. Auffälligkeiten in den Big-Five-Merkmal reduzieren somit den Pool an potentiellen Partnern sind vermutlich auch gute Prediktoren dafür, wie lange eine Person Single bleibt. Umgekehrt stiften Abweichungen in den Big-Five-Merkmalen mehr Identität für das Selbst, im Sinne von klaren und zeitlich-stabilen** Stärken und Schwächen sowie konstanten Interessen, und bieten auch mehr Möglichkeiten zum schnellen (und vor allem tiefgründigeren) Anknüpfen bei Personen, die bei einem der Merkmale eine übereinstimmende Abweichung zeigen.

* Diese Rechnung setzt vollkommene Unabhängigkeit der Big-Five-Merkmale voraus, welche in der Praxis nicht erfüllt ist. Das zeigt die Forschung zu den Big-Two bzw. dem generalisierten Faktor der Persönlichkeit. So treten z.B. Extraversion und Offenheit / Intellekt gehäuft zusammen auf und werden entsprechend in der Theorie der Big-Two zu einem Faktor (genannt Plasticity) zusammengefasst

** Jedes Big-Five-Merkmal zeigt einen typischen Altersverlauf, ist aber davon abgesehen über den Verlauf eines Lebens recht konstant

Koffein, Nikotin, Alkohol und Schlafprobleme

Es gibt eine solide Datenlage die zeigt, dass die obengenannten legalen Drogen sich negativ auf den Schlaf auswirken, interessant ist aber vor allem die Frage, ob es reicht den Konsum einige Stunden vor dem Schlaf einzustellen um den negativen Effekt zu eliminieren oder oder ob ein kompletter Entzug stattfinden muss. Hier ergeben sich einige Unterschiede.

Zu Koffein und Schlaf gibt es eine exzellente Übersicht über alle relevanten Studien von der Uni Zürich. Hier wird beschrieben, dass Koffein den Schlaf auch dann beeinträchtigt (gemessen durch Fragebögen zur Selbstbewertung wie auch objektive Instrumente wie z.B. EEGs), wenn es nur am Morgen konsumiert wird und kurz vor dem zu Bett gehen schon praktisch komplett aus dem Blut verschwunden ist. Ich wollte das nachprüfen mit einem Datensatz, in dem Leute einmal gefragt wurden, ob sie generell Koffein konsumieren und ob sie es auch in den Stunden vor dem Schlafen gehen tun. Die obige These bestätigt sich ziemlich deutlich:

Für Schlafprobleme relevant ist, wieviel Koffein man generell konsumiert. Ob dies kurz vor dem Schlafen gehen oder lange davor geschieht, spielt keine signifikante Rolle. Das sind schlechte Nachrichten für Koffein-Freunde. Einfach den Konsum zwei bis drei Halbwertzeiten (4-6 h) vor dem Schlaf einzustellen, reicht also nicht. Der Schaden ist mit dem Konsum schon getan, wann genau hat nur wenig Relevanz. Das könnte, Achtung Spekulation, am Aufbau eines Depots bei regelmäßigem Konsum liegen.

Anders scheint es bei Nikotin und Alkohol zu sein. Hier zeigt sich der allgemeine Konsum als recht unproblematisch für den Schlaf. Raucher oder regelmäßige Alkohol-Konsumenten schlafen generell nicht schlechter als andere. Ein negativer Effekt ergibt sich nur dann, wenn der Konsum in den Stunden vor dem zu Bett gehen stattfindet:

Mit Blick auf die Varianz hat Koffein den stärksten Einfluss: Es erklärt 9 % in der Varianz der Variable Schlafprobleme. Nikotin und Alkohol erklären jeweils um die 5 %.

Betreffend Alpträumen scheint vor allem Alkohol ein Problem darzustellen, Koffein und Nikotin zeigen keinen merklichen Einfluss. Hier die Regression nach Bereinigung der Alptraum-Häufigkeit nach dem Alter (starker Zusammenhang mit Alter und das auf nicht-lineare Weise, daher die Notwendigkeit einer separaten Bereinigung):

Generell werden Alpträume mit dem Alter seltener, aber zusätzlich gilt: Eine gute Ernährung reduziert das Risiko für Alpträume, Alkohol steigert es, sowohl wenn es kurz vor dem zu Bett gehen wie auch wenn es lange davor konsumiert wird. Das macht Sinn wenn man bedenkt, dass Alkohol als einzige der drei genannten legalen Drogen eine deutliche psychoaktive Wirkung besitzt. Koffein gibt einen Schub bei körperlicher Aktivierung, Nikotin bringt einen rapiden und kurzen Entspannungseffekt. Eine Veränderung des Bewusstseins findet bei beiden aber nicht statt.

In der Partnerschaft gilt: Gleich und Gleich gessellt sich gern

Bittet man Menschen, sich einen idealen Partner zu basteln, dann basteln sich die meisten Menschen ein Spiegelbild mit getauschtem Geschlecht. Dieses Prinzip besitzt robuste Gültigkeit und beide Geschlechter handeln danach. Der Traumpartner ist für die meisten Menschen ein Mensch mit denselben Big Five Persönlichkeitsmerkmalen und denselben Interessen. Für das alternative Modell, Gegensätze ziehen sich an, finden sich hingegen nirgendwo empirische Nachweise. Gut möglich, dass es vereinzelt gilt, vor allem bei Beziehungen, die von Anfang an auf Kurzzeit bedacht sind, aber auf die Mehrheit der Menschen trifft es nicht zu.

Hier einige Beispiele: Offene / intellektuelle Frauen wünschen sich offene / intellektuelle Männer und umgekehrt. Da die Offenheit eng mit der politischen Orientierung verbunden ist, zeigt das auch eine klare Tendenz zur Wahl eines Partners mit denselben politischen Vorstellungen.

Frauen:

Männer:

Herzliche / rücksichtsvolle Frauen wünschen sich herzliche / rücksichtsvolle Männer und umgekehrt. Interessant ist, dass hier bei beiden Geschlechtern die Beziehung zur Mutter eine Rolle spielt. Je besser die Beziehung zur Mutter, desto mehr Wert wird auf die Herzlichkeit des Partners gelegt.

Frauen:

Männer:

Ordentliche / zuverlässige Frauen wünschen sich ordentliche / zuverlässige Männer und umgekehrt. Bei Frauen spielt hier auch die Beziehung zur Mutter, das Alter und die Anzahl Kinder eine Rolle. In allen Fällen gilt: Je mehr davon, desto größer die Tendenz zu einem gewissenhaften Mann.

Frauen:

Männer:

Reisefreudige Frauen wünschen einen reisefreudigen Mann und umgekehrt. Der Effekt ist sogar deutlich stärker als bei den Persönlichkeitsmerkmalen. Die Reisefreudigkeit scheint für beide Geschlechter ein zentrales Selektionsmerkmal zu sein.

Frauen:

Männer:

Frauen, die keine Piercings oder Tattoos haben, wünschen sich in der Tendenz Männer ohne Piercings oder Tattoos und umgekehrt. Wobei bei Männern hier sogar die Gewissenhaftigkeit als Faktor Nummer Eins auftritt: Ordentliche / zuverlässige Männer bevorzugen Frauen, die weder Piercings noch Tattoos haben. Bei Frauen scheint das Alter hier eine Rolle zu spielen, wobei unklar ist, ob es sich um einen Alterseffekt oder Generationeneffekt handelt. Gut möglich, dass Millenial-Frauen, wenn sie erstmal die 50+ erreichen, nicht so abgeneigt gegen Tattoos sind wie Gen-X-Frauen oder Baby-Boomer-Frauen.

Frauen:

Männer:

All das zeigt, wie robust und umfassend das Prinzip “Gleich und Gleich” bei der Partnersuche ist. Es gilt für alle fünf Persönlichkeitsmerkmale, für Intelligenz und politische Richtung, für Interessen und für Methoden der Lebensführungen. Aber Achtung: Hier geht es nur um Wünsche. Ob Partnerschaften, die auf “Gleich und Gleich” basieren, auch erfolgreicher oder glücklicher sind als jene, die auf Gegensätzen / Ergänzungen basieren, lässt sich mit dem Datensatz nicht sagen.

Und generell gilt natürlich auch: Wer zu sehr auf “Gleich und Gleich” fixiert ist, dem gehen schnell die Optionen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig gewählter Mensch das gleiche Big-Five-Profil hat, beträgt, bei einer jeweiligen Einteilung in die Kategorien Niedrig / Mittel / Hoch, ganz grob 1 zu 250. Nur einmal unter 250 Dates wird man so jemanden treffen. Fordert man auch noch eine handvoll gleicher Interessen, landet man schnell bei 1 zu 10.000. Will man dazu noch einige Übereinstimmungen in der Lebensführung, dann bleibt man auf ewig Single. Ein rationaler Ansatz wäre einige Prioritäten zu bestimmen und den Rest gekonnt zu ignorieren. Oder Katzen.

Daddy’s Girl – Ganz so Falsch ist der Mythos nicht

Bei beiden Geschlechtern bestimmen sich die Präferenzen für einen Partner zu einem großen Teil aus der Persönlichkeit (nach dem Prinzip: Gleich und Gleich gessellt sich gern) sowie dem Alter. Doch besonders bei Frauen lässt sich auch ein deutlicher Einfluss durch die Beziehung mit den Eltern feststellen. Ein gutes Bild davon, wie groß der Einfluss verschiedener Bereiche ist, bekommt man durch die Betrachtung des Modellparameters R². Er gibt an, wieviel Varianz in der Zielvariable durch ein Set an unabhängigen Variablen erklärt wird. So sieht es bei Männern aus:

  • Eigene Persönlichkeit: 26 %
  • Alter: 23 %
  • Beziehung zur Mutter: 10 %
  • Beziehung zum Vater: 12 %

Man kann es so lesen: Der Faktor Persönlichkeit erklärt bei Männern 26 % der Varianz der Partnerpräferenzen. Bei 100 % könnte man die Partnerpräferenzen perfekt aus den Persönlichkeitsvariablen (hier die fünf Big Five Merkmale) vorhersagen, die gesame Varianz wäre erklärt, bei 0 % gäbe es hingegen keinerlei Zusammenhang. Man erkennt, dass zum einen Persönlichkeit und Alter einen gewichtigen Einfluss zeigen, 20-30 % der Varianz sind beachtlich für Modelle in der Psychologie, und dass zum anderen Persönlichkeit und Alter bei Männern einen stärkeren Einfluss auf die Partnerpräferenzen haben als die Beziehung zu den Eltern.

Bei Frauen ergibt sich ein etwas anderes Bild:

  • Eigene Persönlichkeit: 22 %
  • Alter: 29 %
  • Beziehung zur Mutter: 16 %
  • Beziehung zum Vater: 25 %

Persönlichkeit und Alter zeigen einen ähnlich starken Einfluss auf Partnerpräferenzen wie bei Männern, doch die Beziehung mit den Eltern, vor allem jene mit dem Vater, spielt hier eine gewichtigere Rolle. Es ist ein Klassiker der Küchenpsychologie, die Beziehungen von Frauen mit Bezug auf den Vater erklären zu wollen. Diese Idee zieht den Zusammenhang natürlich ins Groteske – ganz so alles-bestimmend ist der Einfluss nicht. Doch vollkommen unwahr ist der Mythos nicht. Die Beziehung mit dem Vater spielt eine deutlich größere Rolle bei Frauen als bei Männern wenn es um die Wahl eines Partners geht.

Eine alternative Möglichkeit die Stärke des Einflusses zu bewerten, wäre die Betrachtung der Summe der Absolutwerte der Regressionskoeffizienten in einem Modell, welches die Präferenzen aus der Beziehung zum Vater vorhersagt. Hier bestätigt sich das oben gesagte: Bei Männern beträgt diese Summe S = 0,52, bei Frauen S = 0,94. Ein recht ähnliches Verhältnis.

Wie konkret wirkt sich denn die Beziehung zum Vater bei Frauen aus? Frauen, die von einer guten Beziehung zum Vater berichten, legen mehr Wert auf einen Partner mit guter Karriere und Ambitionen. Aber Achtung vor Verallgemeinerungen! Erstens gibt es, wie bei allem mit viel Varianz, viele Ausnahmen von der Regel. Und zweitens muss man hier eher von Tendenz statt Regel sprechen. Dies im Hinterkopf, ist die Tendenz jedoch stark genug, dass man gemäß Cohen mit gutem Gewissen von einem starken Effekt sprechen darf.

Ebenso interessant und deutlich ausgeprägt ist diese Tendenz: Frauen mit guter Beziehung zum Vater legen auch mehr Wert auf einen empathischen / herzlichen Partner. Männern, denen diese Qualitäten fehlen, kommen besser bei Frauen an, denen die gute Bindung zum Vater fehlt. Auch hier kann man gemäß Cohen von einem starken Effekt sprechen.

Das bringt ein interessantes Problem: Menschen mit hohem Maß an Agreeableness erreichen seltener hohe Positionen als Menschen mit niedriger Agreeableness (und verdienen im Mittel auch weniger) weil sie sich seltener ohne Rücksicht auf andere durchsetzen und auch im Allgemeinen weniger konsequent ihre eigenen Interessen vertreten. Frauen mit guter Beziehung zum Vater scheinen also einen Typus Mann zu suchen, der in der Praxis nicht so gängig ist: Hohe Position plus viel Agreeableness.

Natürlich existieren diese Männer, aber die Kombination dieser Merkmale garantiert, dass der Pool an Kandidaten relativ klein ist. Und diese wenigen, die es gibt, werden auch entsprechend hart umworben sein. Besonders hart wird diese Suche für Frauen sein, die selbst eher wenig Herzlichkeit besitzen, denn herzliche Männer bevorzugen laut dem Datensatz sehr klar herzliche Frauen.

Die Geschichte hört hier nicht auf, aber ich werde den Rest kurz halten: Eine Frau mit guter Beziehung zum Vater gibt auch eher an, dass der Partner intelligent sein soll, aus der gleichen Kultur und Ethnie sein soll, psychisch gesund sein soll, reisfreudig sein soll und den Kontakt mit der Ex abbrechen soll. Praktisch an allen relevanten Punkten stellen Frauen mit enger Bindung zum Vater also höhere Ansprüche an den Partner.

Ist das gut oder schlecht? Es zeugt sicherlich davon, dass diese Frauen einen gesunden Selbstwert und klare Ziele besitzen. Problematisch ist es höchstens im Hinblick auf die Auswahl. Der Mann, der dies alles erfüllt, ist, wenn es ihn denn gibt, wohl längst vergeben oder hat es, bei all der freien Wahl, nicht eilig mit der Bindung. Kompromisse sind also vorprogrammiert.

Wie sich Partner-Präferenzen mit dem Alter ändern

Ein großer Datensatz (n = 530), bei dem Teilnehmer sich den idealen Partner basteln durften, zeigt dass sowohl bei Männern als auch bei Frauen das Alter einen Einfluss auf Partnerpräferenzen hat. Bei Frauen ist der Effekt deutlich stärker und umfassender als bei Männern. Der Datensatz liefert eine Erklärung dafür: Männer sind recht stark auf den Körper einer potentiellen Partnerin fokussiert und dieser Faktor bleibt bestimmend, egal ob der Mann nun 18 oder 60 Jahre alt ist. Bei Frauen ist die Situation differenzierter. Hier ergeben sich fundamentale Unterschiede bzgl Partnerpräferenzen mit steigendem Alter. Frauen werden auch, und das nur am Rande und als Vormerkung für eine spätere Analyse, viel stärker in ihren Präferenzen von der Beziehung zur Mutter und zum Vater beeinflusst. Vor allem der Einfluss durch den Vater sticht hervor. Aber zurück zum Alter.

Einen deutlichen Trend gibt es bei Frauen bezüglich der emotionalen Stabilität und der allgemeinen psychischen Gesundheit des Partners. Mit steigendem Alter legen Frauen mehr Wert darauf, dass der Partner eine gesunde Psyche besitzt. Bei Männern hingegen gibt es diesen Trend nicht. Hinweis: Die Kategorie* Developing umfasst Alter von 18 bis Mitte / Ende 20. Seniors beginnt ab 60 Jahren.

Auch die Intelligenz, Karriere und Humor des Partners gewinnt für Frauen mit steigendem Alter an Bedeutung und auch hier lohnt es sich anzumerken, dass bei Männern ein ähnlicher Trend nicht erkennbar ist.

Überraschend stark ist bei Frauen auch der Wandel hin zu Partnern aus der selben Kultur und Ethnie. Während junge Frauen bis Mitte / Ende 20 sehr offen gegenüber Partnern aus anderen Kulturkreisen sind, verschwindet diese Offenheit im höheren Alter. Die Effektstärke ist beeindruckend. Bei Männern, man mag es sich schon denken, gibt es diesen Trend nicht.

Vor allem sticht bei Frauen ins Auge, dass der Wandel in den Präferenzen bei vielen Variablen relativ abrupt geschieht – einmal im Alter Mitte / Ende 20 und dann nochmals im Seniorenalter. Ersteres lässt sich wohl damit erklären, dass Frauen in jenem Alter sich ernsthaft der Familiengründung hinwenden und somit Indikatoren für gute psychische und finanzielle Ressourcen (Stabilität, Karriere) an Bedeutung gewinnen.

Aber was ist mit den Männern? Wie erwähnt bleibt der Hauptfokus auf dem Körper der Partnerin, wobei sie jedoch auch, und das zur Verteidigung der Männer, Intelligenz und Humor hoch schätzen. Einer der wenigen statistisch signifikanten Änderungen ist der Blick auf die Ambitionen der Partnerin. Junge Männer möchten bevorzugt ambitionierte Partnerinnen. Dieser Blick schwindet mit fortschreitendem Alter.

Ältere Männer scheinen im Gegensatz zu jungen Männern auch nicht mehr so sehr darauf zu achten, ob eine potentielle Partnerin sportlich aktiv ist. Hier ist der Trend zum Ende hin recht abrupt.

Abgesehen von den Alterstrends gilt für beide Geschlechter jedoch insgesamt und mit deutlicher Tendenz, dass gleich und gleich sich gerne gessellt. Extrovertierte Frauen wollen extrovertierte Männer und umgekehrt. Empathische Frauen wollen empathische Männer und umgekehrt. Ordentliche Frauen wollen ordentliche Männer und umgekehrt. Offene Frauen wollen offene Männer und umgekehrt. Stabile Frauen wollen stabile Männer und umgekehrt. Wenn wir uns unseren idealen Partner basteln dürfen, dann basteln die meisten einen Partner, der diesselbe Persönlichkeit besitzt. Querkorrelationen sind selten und schwach. So möchten zum Beispiel stabile Menschen auch eher einen extrovertierten Partner, aber der Trend ist kaum der Rede wert. Gleich und gleich ist und bleibt der König unter Partnerpräferenzen.

Bleibt anzumerken, dass das, was sich Menschen als Ideal wünschen, nicht immer auch das ist, was sie in der Praxis wählen. Ob nun aus einem mangelndem Pool an Kandidaten oder der Realisation, dass gar keine Spannung in den Persönlichkeiten eine sehr langweilige Sache sein kann.

* Kategorien sind aufgespaltet mittels Fuzzy Logic

** Alle Änderungen sind in den Graphen in Einheiten Standardabweichung gegeben. Zur Bewertung der Stärke des Effekts findet sich hier eine Tabelle. Alles über 0,5 STD darf man als merklichen Effekt bezeichnen, alles über 0,8 STD als starken Effekt. Gemäß dieser Konvention sind praktisch alle oben aufgeführten Effekte stark.

Selbstfahrende Autos – Wer ist offen für den Wandel?

Vollautonome Autos haben sich in Tests gut behauptet und werden innerhalb der nächsten 10-20 Jahren die Straßen erobern. Aus psychologischer Sicht ist der Schritt eine große Herausforderung: Die Kontrolle wird den Insassen komplett entzogen, das Leben liegt in den Händen der Technik. Das ist zwar heute schon an vielen Stellen der Fall, zum Beispiel bei Landungen in CAT III-Bedingungen, bei denen die Landung durch einen Menschen sogar untersagt ist. Hier muss der Computer das Flugzeug landen. Doch das bleibt den Passagieren verborgen. Eine so offene Übergabe des Lebens an einen Computer wie sie im Zuge des Wandels im Individualverkehr kommen wird, ist eine Neuerung. Und nicht jeder ist offen dafür. Welche Faktoren sind gute Prediktoren für die Bereitschaft, sich dem selbstfahrenden Auto hinzugeben?

Ein Regressionsmodell auf Basis eines kleinen Datensatzes (n = 210, Harvard Dataverse, 58 % Männer, Mittleres Alter 40 Jahre, 44 % Singles) erlaubt einen Einblick. Alle Zusammenhänge haben eine solide statistische Signifikanz und dürften somit gut reproduzierbar sein, jedoch zeigt der geringe R²-Wert, dass das Modell in der vorliegenden Form noch unvollständig ist. Eine höhere Erklärungskraft lässt sich auf Basis dieser Umfrage leider nicht erreichen.

Solide Computerkenntnisse sind der wichtigste Prediktor. Wer in seinem Leben viele Erfahrungen mit Computern gesammelt hat und weiß, wie man sie bedient, ist eher bereit dazu, sein Leben in die Hand eines fahrenden Computers zu geben. Das ist wenig überraschend – Erfahrungen bringen Vertrautheit und Vertrautheit bringt Vertrauen. Das wäre natürlich auch ein exzellenter Ansatzpunkt für Menschen, die Angst vor dem selbstfahrenden Auto haben: Computer-Kurse besuchen, positive Erfahrungen in der digitalen Welt sammeln und Programme entdecken, die Freude bringen. In der Umfrage zeigen vor allem offene Menschen und Männer solide Kenntnisse im Umgang mit Computern.

Extravertierte (sozial aktive) Menschen scheinen den selbstfahrenden Autos kritischer gegenüber zu stehen als introvertierte Menschen, sogar deutlich kritischer. Einen Erklärungsansatz kann ich nicht bieten und auch der Datensatz liefert hier keine weiteren Hinweise. Eine vermittelnde Variable, die den Zusammenhang näher erklären könnte, lässt sich in der Umfrage leider nicht finden.

Der Faktor Need For Fairness zeigt sich ebenso als bedeutender Prediktor. Menschen, die ein hohes Bedürfnis zum Herstellen von Fairness haben (das sind natürlich vor allem Menschen, die auf der Agreeableness-Skala einen hohen Wert erreichen), begrüßen den technologischen Wandel. Das leuchtet ein wenn man bedenkt, dass die selbstfahrenden Autos den Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder mit Ansätzen von Senilität ihre individuelle Freiheit zurückgeben werden. Auch Teenager werden von diesen Autos problemlos Gebrauch machen können. Der Individualverkehr gewinnt durch den Wandel ohne Zweifel an Fairness.

Ein etwas obskurerer Faktor ist Cannabis-Konsum. Kiffer scheinen das selbstfahrende Auto freimütiger zu akzeptieren. Ähnliches gilt, obwohl nicht im Modell gelistet, auch für Menschen mit erhöhtem Alkoholkonsum. Hier könnten pragmatische Überlegungen der Grund sein. Wer psychoaktive Stoffe konsumiert, der muss einige Stunden warten, bis er sich wieder ins Auto setzen kann. Diese Einschränkung wird mit dem selbstfahrenden Auto selbstverständlich fallen. Ein vollautonomes Auto ist ein Individualtaxi und Nüchternheit, oder überhaupt Wachheit, irrelevant.

Schlussendlich zeigt sich auch, dass Menschen, die empfänglich für Verschwörungstheorien sind, dem selbstfahrenden Auto relativ kritisch gegenüberstehen. Die Empfänglichkeit selbst scheint sich zu einem guten Teil aus dem Angst vor Kontrollverlust zu ergeben, ein möglicher Erklärungsansatz. Ein alternativer, oder ergänzender Erklärungsansatz wäre, dass diese Menschen eher den möglichen Missbrauch der Technologie im Blick haben. Das selbstfahrende Auto als Instrument der staatlichen Überwachung zum Beispiel. Oder das selbstfahrende Auto als Mordinstrument durch Hacking des Computers.

Schlafprobleme – Ein umfassendes Modell

Das folgende Regressionsmodell basiert auf einem Datensatz aus dem Harvard Dataverse mit n = 410 Teilnehmern (USA, 49 % Männer, Mittleres Alter 39 Jahre) und erklärt etwa 40 % in der Varianz der Variablen Schlafprobleme, was einer zufriedenstellenden Erklärungskraft entspricht. Weitere Hinweise zur Güte des Modells füge ich am Ende des Eintrags an.

IB bedeutet “In Bed”. Das bezieht sich auf Verhalten und Denkweisen, die beim Hinlegen zum Schlafen verfolgt werden. BB bedeutet “Before Bed”. Das bezieht sich auf jenes, was einige Stunden vor dem zu Bett gehen gemacht wird. Hier einige Beobachtungen:

  • Fitness hat den stärksten Effekt, wobei der förderliche Effekt erst ab Bewegung mit mittlerer Intensität (Jogging) beginnt. Bewegung mit niedriger Intensität (spazieren gehen) fördert zwar das allgemeine Wohlempfinden, kann jedoch Schlafprobleme nicht mildern.
  • Der Fokus auf den Körper nach dem Hinlegen zeigt solide eine Milderung von Schlafproblemen, was wiederum gefördert wird durch a) Fitness und b) aktives Betreiben von Mindfulness-Übungen (Meditation, Yoga).
  • Eine laute Nachbarschaft bringt Schlafprobleme, einmal auf direktem Wege (z.B. geweckt werden durch Geräusche) und zum anderen durch eine höhere körperliche Aktivierung beim Schlafen gehen.
  • Der Fokus auf Probleme nach dem Hinlegen ist Gift für den Schlaf. Dieser Fokus steht in enger Wechselwirkung mit der körperlichen Aktivierung beim Schlafen gehen und wird darüber hinaus gefördert durch eine lange Zeit vor einem elektronischen Bildschirm (>= 4 h).
  • Die körperliche Aktivierung nach dem Hinlegen ist neben der Fitness der Faktor mit der stärksten Wirkung. Sie ist praktisch ein Garant für schlechten Schlaf. Schon genannt ist der Einfluss durch laute Nachbarschaft und die Wechselwirkung mit dem Problemfokus, an diesem Punkt zeigt sich zusätzlich die Wirkung von Koffein.
  • Neben Koffein bringen auch die legalen Drogen Nikotin und Alkohol eine merkliche Verschlechterung des Schlafs, wobei das Modell bis auf Koffein leider keinen kausalen Weg der Wirkung aufzeigt. Als Faustregel ist es sicherlich empfehlenswert, zwei bis drei Halbwertzeiten* vor dem Schlafen gehen keine dieser legalen Drogen mehr zu konsumieren.
  • Interessant ist auch, was keinen Einfluss zeigt: Essen vor dem Schlafen gehen ist, entgegen gängiger Überzeugungen, kein Problem. Das Licht frühzeitig zu dämmen zeigt keine Wirkung, ebenso das Schlafen in kompletter Dunkelheit. Mittagsschläfchen haben auch keinen Einfluss auf Schlafprobleme. Die Uhrzeit des Schlafengehens zeigt einen minimalen Einfluss, ist aber nicht der Rede wert. Ob man um 20 Uhr oder 2 Uhr morgens ins Bett geht, macht zumindest im Hinblick auf Schlafprobleme keinen Unterschied.
  • Was einen Einfluss zeigt, aber nicht aufgelistet wird: Lesen vor dem Schlafen gehen ist förderlich für guten Schlaf, Filme und Serien schauen hat verstärkt Schlafprobleme. Im Modell sind diese Wirkungen enthalten da sie an statistischer Signifikanz verlieren wenn die obigen sechs Hauptfaktoren berücksichtigt werden, jedoch sind die Pfade unklar.
  • Hinweis zu Screen Time: Die Zeit vor dem Bildschirm zeigt keinen linearen Einfluss. Eine lineare Variation zeigt sich nur von im Bereich von 0 h bis zu 4 h. Ab 4 h bleibt die Wirkung konstant. Es macht für Schlafprobleme also keinen Unterschied, ob man 4 h oder 8 h vor dem Bildschirm verbringt. Bei 4 h ist der “Schaden” schon getan. Für eine förderliche Wirkung, muss die Zeit vor einem elektronischen Bildschirm mindestens unter 4 h bleiben. Alle anderen Variablen zeigen über den gesamten Bereich einen zufriedenstellend linearen Einfluss.
  • Die Regression getrennt nach Männern und Frauen zeigt keinen nennenswerten Unterschied. Man darf also davon ausgehen, dass das Modell für beide (bzw. alle) Geschlechter Gültigkeit besitzt. Auch die getrennte Analyse mit Bildungsgrad oder Anzahl Kinder als Selektionsvariable offenbart nichts, was der Rede wert wäre.

Das Modell zeigt, dass alleine regelmäßiges Jogging kombiniert mit Einhaltung der Regeln zu legalen Drogen eine Reduktion von 1 bis 1,5 Standardabweichungen bei Schlafproblemen bringen kann, was genug ist, um moderate Schlafprobleme komplett zu lösen und starke Schlafprobleme sehr deutlich zu mildern. Wird zusätzlich der Fokus nach dem Hinlegen bearbeitet, vom rationalem Denken weg zur Wahrnehmung des Körpers und dem Spinnen von Fantasien**, so ist auch eine Reduktion von zwei Standardabweichungen gut im Bereich des Möglichen. Die Verlagerung des Fokuses stellt sich zum Teil automatisch durch die erhöhte Fitness ein, kann aber auch zusätzlich durch Mindfulness-Übungen oder Hörbücher geschult werden. Der merkliche Einfluss einer lauten Nachbarschaft könnte dafür sprechen, Oropax beim Schlafen zu nutzen.

Hinweise zur Güte des Modells: Es erklärt etwa adj R² = 40 % der Varianz in der Variable Schlafprobleme. Der direkte Effekt der jeweiligen Variablen, berechnet nach dem Modell, deckt sich recht gut mit dem direkten Effekt, der im Datensatz beobachtet wird. Die Residuen genügen nur grob einer Normalverteilung, aber noch nahe genug daran um es zu akzeptieren. Für extreme Werte der Variable Schlafprobleme zeigt sich ein Trend in der Verteilung der Residuen, was bedeutet, dass das Modell bei diesen Werten nur begrenzte Gültigkeit besitzt. Probleme mit Kollinearität gibt es keine und für alle Teilnehmer ist Cook’s Distance < 0,30. Somit gibt es keine Ausreißer, die den Wert der Koeffizienten verzerren könnten. Für alle Variablen ist p < 0,01, Probleme mit Reproduktion sind dementsprechend keine zu erwarten. Insgesamt ist die Güte des Modells zufriedenstellend.

* Für die Halbwertzeit kann man für jede der legalen Drogen grob 2 h annehmen. Nach einer Halbwertzeit ist die Konzentration 50 % des Maximalwerts, nach zwei Halbwertzeiten 25 % und nach drei Halbwertzeiten 12,5 %. Je höher der Konsum, desto höher die maximale Konzentration, desto mehr Halbwertzeiten sollte man dem Körper vor dem Schlafen gehen geben, um die Stoffe abzubauen. Zwei Halbwertzeiten, entsprechend 4 h, könnten bei moderatem Konsum ausreichend sein, bei starkem Konsum eher drei Halbwertzeiten, entsprechend 6 h.

** Das Fantasieren nach dem Hinlegen an sich ist (gemessen am direkten Effekt) weder förderlich noch hinderlich für guten Schlaf. Es erweist sich aber als förderlich, wenn es als Substitut für den schädigenden Fokus auf Probleme verwendet wird.