Daddy’s Girl – Ganz so Falsch ist der Mythos nicht

Bei beiden Geschlechtern bestimmen sich die Präferenzen für einen Partner zu einem großen Teil aus der Persönlichkeit (nach dem Prinzip: Gleich und Gleich gessellt sich gern) sowie dem Alter. Doch besonders bei Frauen lässt sich auch ein deutlicher Einfluss durch die Beziehung mit den Eltern feststellen. Ein gutes Bild davon, wie groß der Einfluss verschiedener Bereiche ist, bekommt man durch die Betrachtung des Modellparameters R². Er gibt an, wieviel Varianz in der Zielvariable durch ein Set an unabhängigen Variablen erklärt wird. So sieht es bei Männern aus:

  • Eigene Persönlichkeit: 26 %
  • Alter: 23 %
  • Beziehung zur Mutter: 10 %
  • Beziehung zum Vater: 12 %

Man kann es so lesen: Der Faktor Persönlichkeit erklärt bei Männern 26 % der Varianz der Partnerpräferenzen. Bei 100 % könnte man die Partnerpräferenzen perfekt aus den Persönlichkeitsvariablen (hier die fünf Big Five Merkmale) vorhersagen, die gesame Varianz wäre erklärt, bei 0 % gäbe es hingegen keinerlei Zusammenhang. Man erkennt, dass zum einen Persönlichkeit und Alter einen gewichtigen Einfluss zeigen, 20-30 % der Varianz sind beachtlich für Modelle in der Psychologie, und dass zum anderen Persönlichkeit und Alter bei Männern einen stärkeren Einfluss auf die Partnerpräferenzen haben als die Beziehung zu den Eltern.

Bei Frauen ergibt sich ein etwas anderes Bild:

  • Eigene Persönlichkeit: 22 %
  • Alter: 29 %
  • Beziehung zur Mutter: 16 %
  • Beziehung zum Vater: 25 %

Persönlichkeit und Alter zeigen einen ähnlich starken Einfluss auf Partnerpräferenzen wie bei Männern, doch die Beziehung mit den Eltern, vor allem jene mit dem Vater, spielt hier eine gewichtigere Rolle. Es ist ein Klassiker der Küchenpsychologie, die Beziehungen von Frauen mit Bezug auf den Vater erklären zu wollen. Diese Idee zieht den Zusammenhang natürlich ins Groteske – ganz so alles-bestimmend ist der Einfluss nicht. Doch vollkommen unwahr ist der Mythos nicht. Die Beziehung mit dem Vater spielt eine deutlich größere Rolle bei Frauen als bei Männern wenn es um die Wahl eines Partners geht.

Eine alternative Möglichkeit die Stärke des Einflusses zu bewerten, wäre die Betrachtung der Summe der Absolutwerte der Regressionskoeffizienten in einem Modell, welches die Präferenzen aus der Beziehung zum Vater vorhersagt. Hier bestätigt sich das oben gesagte: Bei Männern beträgt diese Summe S = 0,52, bei Frauen S = 0,94. Ein recht ähnliches Verhältnis.

Wie konkret wirkt sich denn die Beziehung zum Vater bei Frauen aus? Frauen, die von einer guten Beziehung zum Vater berichten, legen mehr Wert auf einen Partner mit guter Karriere und Ambitionen. Aber Achtung vor Verallgemeinerungen! Erstens gibt es, wie bei allem mit viel Varianz, viele Ausnahmen von der Regel. Und zweitens muss man hier eher von Tendenz statt Regel sprechen. Dies im Hinterkopf, ist die Tendenz jedoch stark genug, dass man gemäß Cohen mit gutem Gewissen von einem starken Effekt sprechen darf.

Ebenso interessant und deutlich ausgeprägt ist diese Tendenz: Frauen mit guter Beziehung zum Vater legen auch mehr Wert auf einen empathischen / herzlichen Partner. Männern, denen diese Qualitäten fehlen, kommen besser bei Frauen an, denen die gute Bindung zum Vater fehlt. Auch hier kann man gemäß Cohen von einem starken Effekt sprechen.

Das bringt ein interessantes Problem: Menschen mit hohem Maß an Agreeableness erreichen seltener hohe Positionen als Menschen mit niedriger Agreeableness (und verdienen im Mittel auch weniger) weil sie sich seltener ohne Rücksicht auf andere durchsetzen und auch im Allgemeinen weniger konsequent ihre eigenen Interessen vertreten. Frauen mit guter Beziehung zum Vater scheinen also einen Typus Mann zu suchen, der in der Praxis nicht so gängig ist: Hohe Position plus viel Agreeableness.

Natürlich existieren diese Männer, aber die Kombination dieser Merkmale garantiert, dass der Pool an Kandidaten relativ klein ist. Und diese wenigen, die es gibt, werden auch entsprechend hart umworben sein. Besonders hart wird diese Suche für Frauen sein, die selbst eher wenig Herzlichkeit besitzen, denn herzliche Männer bevorzugen laut dem Datensatz sehr klar herzliche Frauen.

Die Geschichte hört hier nicht auf, aber ich werde den Rest kurz halten: Eine Frau mit guter Beziehung zum Vater gibt auch eher an, dass der Partner intelligent sein soll, aus der gleichen Kultur und Ethnie sein soll, psychisch gesund sein soll, reisfreudig sein soll und den Kontakt mit der Ex abbrechen soll. Praktisch an allen relevanten Punkten stellen Frauen mit enger Bindung zum Vater also höhere Ansprüche an den Partner.

Ist das gut oder schlecht? Es zeugt sicherlich davon, dass diese Frauen einen gesunden Selbstwert und klare Ziele besitzen. Problematisch ist es höchstens im Hinblick auf die Auswahl. Der Mann, der dies alles erfüllt, ist, wenn es ihn denn gibt, wohl längst vergeben oder hat es, bei all der freien Wahl, nicht eilig mit der Bindung. Kompromisse sind also vorprogrammiert.

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