Wieso es nur wenige weibliche Psychopathen gibt

Unter der Gruppe der Psychopathen (kein Krankheitsbild gemäß DSM, aber man darf Psychopathie grob als eine antisoziale Persönlichkeitsstörung mit Gewaltbereitschaft verstehen) sind die Männer in der deutlichen Überzahl. Die Schätzungen schwanken, aber Pi Mal Daumen kommen auf eine weibliche Psychopathin etwa zwanzig männliche Psychopathen. Oder anders gesagt: Nur circa 5 % aller Psychopathen sind weiblich. Das Warum zu verstehen ist ein interessantes und nützliches Lehrstück in Sachen Statistik.

Wir konzentrieren uns hier auf die Abwesenheit von Agreeableness (Herzlichkeit, Empathie), eine Vorraussetzung für Psychopathie. Im Mittel unterscheiden sich Männer und Frauen nur sehr wenig im Hinblick auf Agreeableness. Standardisiert man den Score von Agreeableness auf 100 Punkte, dann liegen Frauen bei etwa 105 und Männer bei 95. Kein sonderlich großer Unterschied. Zu jedem Mann finden sich leicht zahllose Frauen, die weniger empathisch sind. Trotzdem reicht dieser geringe Unterschied der Mittelwerte aus, um das auffällige verschobene Geschlechterverhältnis bei Psychopathen zu erklären.

Der Trick ist nur das extreme Ende der Verteilung zu betrachten. Nimmt man eine Standardabweichung von 10 Einheiten an (ein Fantasiewert zum Zwecke der Demonstration), dann würde die Verteilung des Agreeableness-Scores bei Frauen so aussehen:

Berechnet man auf Basis dieser Annahmen, wieviele Frauen praktisch empathielos sind, hier definiert als Agreeableness-Scores < 80, dann erhält man einen Wert von 0,6 %. Es fallen also nicht viele Frauen unter diesen Cut-Off und dies liegt daran, dass die Normalverteilung sehr stark zum Ende hin abfällt. Genau diese scharfe, nichtlineare Abnahme ist auch der Grund, wieso eine leichte Verschiebung des Mittelwertes eine so große Veränderung in extremen Bereichen der Skala erzeugen kann!

Nehmen wir für Männer diesselbe Standardabweichung an und setzen einen Mittelwert von 95 voraus, nur leicht unter dem Mittelwert für Frauen, so erhält man diese Verteilung:

Gemäß dem Output der App fallen 6,7 % der Männer unterhalb des oben definierten Cut-Off von Agreeableness < 80. Das macht, wenn man nur die Gruppe der empathielosen Menschen betrachtet, ein sehr auffälliges Geschlechterverhältnis von 6,7 % / 0,6 % = 11. Auf eine empathielose Frau kommen bei den gegebenen Mittelwerten und Standardabweichungen demnach elf empathielose Männer. Oder anders gesagt: Laut Output sind nur 8 % aller empathielosen Menschen Frauen.

Die Zahlen, die ich hier als Voraussetzungen verwendet habe, sind möglichst an der Realität orientiert, jedoch nicht hundertprozentig korrekt. Doch das Prinzip zählt. Wenn Eigenschaften von Populationen einer Normalverteilung genügen (oder einer ähnlichen beschaffenen Verteilung), dann machen sich geringe Differenzen im Mittelwert als starke Unterschiede an den Rändern der Skala bemerkbar.

Diese mathematische Tatsache erklärt, wieso es viel mehr männliche als weibliche Psychopathen gibt. Es ist schlicht eine Konsequenz der Normalverteilung jener Eigenschaften, die Psychopathie ausmachen, gepaart mit einer (für sich genommen) unspektakulären Differenz der Mittelwerte bei diesen Eigenschaften.

Das gilt natürlich auch für das andere Ende des Spektrum. Es gibt keinen gängigen Begriff für Menschen, die übermäßig Empathisch sind, aber nennen wir sie hier einfach mal Hyperempathen und definieren Hyperempathie beginnend ab Agreeableness > 120. Es ergibt sich exakt das umgekehrte Bild: auf einen männlichen Hyperempathen kommen elf Hyperempathinnen. Das erklärt vielleicht auch, wieso Frauen trotz Gelichberechtigung immer noch in den Pflegeberufen dominieren.

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