Faktoren des Single-Lebens bei Männern

Nachdem ich hier einen kurzen Überblick darüber gegeben habe, welche Faktoren bei Frauen im Hinblick auf die Frage Single Ja / Nein relevant sind, nun eine Wiederholung der Analyse bei Männern. Alles folgende basierend auf einer Umfrage, welche ich über Harvard Dataverse bezogen habe und aus n = 236 Teilnehmern besteht. Hier das altersbereinigte Modell, welches sich schlussendlich aus den Daten ergeben hat:

Ich möchte die Faktoren Schritt für Schritt durchgehen und dabei den jeweiligen Effekt durch einen Graphen visualisieren. Bei jedem der Graphen gilt: Je niedriger der Punkt liegt, desto niedriger das “Single-Risiko”. Und je weiter rechts, desto mehr ist von der genannten Variable vorhanden. Außerdem: Jeder Graph zeigt den Effekt so, wie ihn die Regression sieht, also bereinigt nach allen anderen Variablen im Modell. Das ist die reinstmögliche Form zur Darstellung des Effekts.

Als ein signifikanter Faktor hat sich das Einkommen erwiesen. Es gilt mit guter Verlässlichkeit: Je höher das Einkommen eines Mannes, desto geringer das Risiko Single zu sein. Die mögliche Angabe des Einkommens (Netto) erfolgte in Schritten von $ 25.000. Also Stufe 1 bedeutet $ 0 bis $ 25.000 pro Jahr, Stufe 2 entspricht $ 25.000 bis $ 50.000 pro Jahr, usw …

Dieser Effekt dürfte nicht überraschen, denn ein hohes Einkommen gewährleistet eine sichere Versorgung im Falle einer Familiengründung, bei welcher die Frau trotz aller Fortschritte bei der Gleichberechtigung zumindest für ein paar Monate den eigenen Beruf ruhen lassen muss. Das Einkommen bietet natürlich auch darüber hinaus einem potentiellen Nachwuchs viele Sicherheiten und Vorteile.

Neben einem hohen Einkommen scheint auch, und das ganz unabhängig vom Einkommen, der Bildungsgrad eine Rolle zu spielen. Der Effekt ist sehr interessant, weil dieser bei Männern in die entgegengesetzte Richtung wie bei den Frauen geht. Laut dem gleichen Datensatz sind Frauen umso häufiger Single, je höher ihr akademischer Grad ist. Bei Männern gilt jedoch: Je höher der Bildungsgrad, desto seltener Single.

Es gibt hier viele mögliche Interpretationen. Man könnte, trotz Bereinigung, wieder den Bogen zum Einkommen schlagen, da Bildung in gewisser Weise “verzögertes Einkommen” darstellt. Eine hohe Bildung heute bedeutet i.d.R. ein hohes Einkommen morgen. Oder man könnte beide Aspekte, Einkommen und Bildung, unter dem Begriff Status zusammenfassen und hier von einer Status-Wirkung sprechen. Oder es kann auch sein, dass Frauen Männer bevorzugen, die ihren Intellekt unter Beweis gestellt haben. Jede dieser möglichen Erklärung ist so spekulativ wie die nächste. Entsprechend sollte man keine in Stein gemeißelt sehen. Die Regression sagt nur: Mehr Bildung, seltener Single. Gründe liefert sie keine.

In diesselbe Richtung wie bei Frauen geht aber der Effekt der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Bei beiden Geschlechtern gilt: Je zufriedener, desto seltener als Single anzutreffen. Diese Formulierung ist sehr gezielt gewählt da auch hier die Huhn-Ei-Frage offen bleibt. Aber wahrscheinlich gelten beide Richtungen: je zufriedener als Single, desto einfacher findet sich ein Partner. Und gibt es einen Partner im Leben, ist man auch zufriedener.

Lustig finde ich den nächsten Faktor, vor allem da er in einer ordentlichen Stärke auftritt: Musikinstrument. Männer, die angeben häufig auf einem Musikinstrument zu spielen, sind merklich seltener Single als Männer, die kein Instrument spielen. Lassen sich Frauen “einlullen”? Oder gibt es eine andere plausible Erklärung? Was auch immer die Erklärung sei, Musik hält den Geist fit und bringt Freude. Insofern lohnt es sich immer, ein Instrument zu lernen, ob nun zum Einlullen oder nicht.

Auch interessant war der folgende Faktor: die Beziehung zur Mutter (im Kindesalter). Männer mit einer sehr schlechten Beziehung zur Mutter befinden sich deutlich häufiger in einer Beziehung als Männer mit einer mäßig schlechten bis sehr guten Beziehung. Das drängt eine dreiste Spekulation auf: Möchten diese Männer die Abwesenheit der Mutter durch das Hineinstürzen in und festhalten an Beziehungen kompensieren? Das ist eine naheliegende Interpretation, aber auch andere Erklärungsansätze sind denkbar.

Weiter geht es mit dem Faktor Geduld, der sich schon bei Frauen gezeigt hat. Auch bei Männern gilt: zuviel Geduld kann nach hinten losgehen. Beziehungsweise, wenn man sich den Graphen einmal genauer anschaut, scheint hier eher zu gelten: Viel Ungeduld geht nach vorne los! Mäßig geduldige bis sehr geduldige Männer zeigen in etwa dasselbe Single-Risiko, bei sehr ungeduldigen Männern scheint dies aber merklich reduziert. Schnell vorzupreschen macht sich, zumindest im Mittel, bezahlt.

Wut jedoch nicht. Generell gilt, bei Männern wie bei Frauen, dass Borderline-Symptomatiken in der Summe kein erhöhtes Single-Risiko bringen. Aber auch bei Männern gibt es genau eine Symptomatik, die doch einen Effekt zeigt, nämlich Wutausbrüche. Wobei diese selbstverständlich ganz ohne Borderline auftauchen können. Männer, die berichten häufig Wutausbrüche zu haben, sind häufiger als Single anzutreffen. Oder sind sie wütender, weil Single? Wie bei der Zufriedenheit ist es wohl beides.

Hier zeigt ein Vergleich mit dem Regressionskoeffizienten, dass dieser nicht immer die Stärke eines Effektes gut erfasst. In der Regel ist dies bei einem nichtlinearen Verlauf der Fall. Es lohnt sich stets auch die Spannweite zu betrachten, die bei der Wut von +0,1 bis -0,4 reicht, also insgesamt 0,5 Einheiten umfasst. Trotz des niedrigen Koeffizienten kann der Effekt also in der Stärke mit den vorherigen Effekten konkurrieren.

Bleibt die Ordentlichkeit der Wohnung als letzter relevanter Faktor. Diesen habe ich etwas aufgeschoben, da hier die Situation noch verworrener als zuvor ist. Männer, die angeben dass sich ihre Wohnung stets auf einem ordentlichen Niveau befindet, haben ein geringeres Single-Risiko als jene, die ihre Wohnung desöfteren schleifen lassen.

Klingt vernünftig, aber Achtung: Ist die Wohnung der Männer, die in einer Beziehung sind, vielleicht oft deshalb so ordentlich, weil sie eine Frau an der Seite haben, die die Wohnung zumindest kritisch beäugt? Und oft gar mit in Schuss hält? Es ist also nicht ganz klar, was der vorliegende Zusammenhang wirklich ausdrückt. Wahrscheinlich eine Mischung aus der Ordentlichkeit des Mannes und dem Vorhandensein einer helfenden Hand.

Für die Verlässlichkeit des Modells gilt, bezüglich dem Entfernen von Ausreißern sowie der Reproduzierbarkeit, alles was ich in dem entsprechenden Blog-Eintrag über Frauen erwähnt habe. Die Verlässlichkeit des Modells ist insgesamt zufriedenstellend. Zusammengenommen erklären die oben genannten Faktoren etwa 40 bis 50 % der erklärbaren Varianz in der Variable “Single Ja / Nein” und erzählen somit etwa die Hälfte der Geschichte. Auch das ist ziemlich zufriedenstellend.

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