Beziehung, Alter und Einkommen

Sowohl für Frauen und für Männer gilt: Je höher das Einkommen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit des Single-Seins. Und das gilt explizit auch bereinigt nach Alter und Persönlichkeit. Genauer gesagt spielt die Persönlichkeit (gemessen an den Big-Five-Merkmalen) praktisch keine Rolle dabei, ob jemand einen Partner findet oder nicht. Das kann man als eine statistische Bestätigung der alten Weisheit “Auf jeden Topf passt ein Deckel” sehen. Alles basierend auf n = 1860 Teilnehmer, was einem ziemlich großen Sample entspricht.

Zuerst aber mal einen Blick auf das Alter. Bei Männern gibt es einen klaren Trend: Je älter, desto weniger Single. Während Anfang 20 der Anteil Singles bei etwa 50 % liegt, reduziert sich dieser Anteil bis zum Alter 40 stetig und bleibt dann in der Spanne von 40-60 Jahren etwa konstant bei 30 %. Danach fällt es weiter ab auf gemittelt etwa 10 % und weniger.

Bei Frauen ergibt sich eine merklich verschiedene Kurve. Anfang 20 sind nur etwa 30 % der Frauen Single (weniger als bei Männern des gleichen Alters) und das reduziert sich bis zum Alter 40 noch weiter auf etwa 20 % (auch weniger als bei den Männern). Hier gilt ebenso, dass der Anteil zwischen 40 und 60 Jahren recht konstant auf etwa 30 % bleibt. Ab dem Alter 60 Jahren steigt der Anteil Singles bei den Frauen jedoch deutlich an, auf 50 % und mehr (verglichen mit 10 % und weniger bei den Männern).

Bei den Frauen zeigt sich also eher eine U-Kurve, was zu einem großen Teil sicherlich daran liegt, dass Männer eine geringere Lebenserwartung haben und zudem in der Beziehung i.d.R. etwas älter sind als die Partnerin. Eine geringere Lebenserwartung von 5 Jahren und gleichzeitig 5 Jahre älter sein als die Partnerin ergibt im Mittel 10 Jahre früher sterben als die Partnerin. Man kann es auch so sehen: Für Männer wird das frühere Sterben damit ausgeglichen, dass sie zumindest viel seltener als Single sterben.

Das Einkommen spricht bei beiden eine sehr deutliche Sprache. Viel Einkommen zerstört das schöne Single-Leben. Hier der Graph zuerst für Männer und dann für Frauen, mit dem expliziten Hinweis dass der unten abgebildete Effekt auch bereinigt nach Alter und Persönlichkeit sehr stark bestehen bleibt:

Das Einkommen ist mit Abstand der beste Prediktor für die Frage ob Single Ja oder Nein. Trotz des deutlichen Zusammenhangs sollte man jedoch den Einfluss sowohl des Alters als auch des Einkommens nicht überschätzen. Denn insgesamt besitzen die beiden Faktoren nur relativ wenig an Erklärungskraft. Hier eine Schätzung, wieviel Prozent möglicher Varianz die obigen Faktoren erklären. Bei Männern sieht es so aus:

  • Alter: 3 % der Varianz
  • Einkommen: 17 % der Varianz
  • Persönlichkeit: 0.5 % der Varianz pro Merkmal
  • Zusammengenommen: 21 % der Varianz

Und bei Frauen:

  • Alter: nur schlecht abschätzbar (*)
  • Einkommen: 12 % der Varianz
  • Persönlichkeit: 0.2 % der Varianz pro Merkmal
  • Zusammengenommen: nur schlecht abschätzbar (*)

(*) Aufgrund der Nichtlinearität des Zusammenhangs

Großzügig gesprochen erklärt das Alter und Einkommen wohl bis zu 25 % der möglichen Varianz, was sicherlich nicht zu vernachlässigen ist, jedoch auch sehr viel Spielraum offen lässt für andere Einflüsse, wie zum Beispiel die Erfahrungen in der Kindheit (womöglich insbesondere das Bindungsschema) und Aspekte der Lebensführung. Die Persönlichkeit erklärt, wie schon zuvor angemerkt, praktisch nichts an Varianz, aber geht man von der Topf-Deckel-Hypothese aus, ist das auch nicht überraschend.

Es gäbe hier viele Warnungen anzubringen, ich belasse es aber dabei hinzuweisen, dass die obige Erklärungskraft sogar noch deutlich überschätzt sein könnte, trotz bestem Wissen und Gewissen. Dies liegt daran, dass man die Regression “zwingt” die vorhandene Varianz mit einer niedrigen Anzahl an Variablen zu erklären. Diese Variablen können somit auch Varianz “aufsaugen”, die andere Variablen eigentlich viel besser erklären könnten. Etwas banaler gesagt: Regressionskoeffizienten tendieren dazu anzusteigen, wenn man Variablen aus dem Modell entfernt und so überschätzt man leicht den Einfluss der Variablen, die noch im Modell verbleiben.

TL;DR: Reich oder 40 Jahre alt zu sein macht definitiv weniger Single, aber des Rätsels Lösung ist es nicht. Und die Sache mit dem Topf und Deckel stimmt wohl – kein Persönlichkeitsmerkmal bringt messbare Nachteile.

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