Strikte Erziehung ist kein Problem, Vernachlässigung hingegen schon

Die strikte Erziehung ist über die letzten Jahrzehnte in Verruf geraten, das aber wohl zu Unrecht. Laut den Daten scheint eine strikte Erziehung zwar keine Vorteile im späteren Leben zu bringen, aber zieht im Allgemeinen auch keine nennenswerten Probleme mit sich. Um das zu demonstrieren, hier ein Blick auf drei unabhängige Datensätze, jeweils mit einem Vergleich von strikter Erziehung zu den Auswirkungen von Vernächlässigung im Kindesalter.

Man kann erkennen, dass in diesem Datensatz (n = 215) die Vernächlässigung im Kindesalter mit vielen schwerwiegenden Problemen im Erwachsenenalter assoziiert ist: bei der psychischen Gesundheit, der Beziehung mit Freunden und Familie sowie der Lebenszufriedenheit im Allgemeinen. Auch die körperliche Fitness scheint zu leiden und die Gefahr von Somatisierung deutlich zu steigen. Die strikte Erziehung schlägt jedoch bei keinem dieser Indikatoren an, weder im positiven noch negativen.

In einem weiteren Datensatz (n = 174) ergibt sich ein ähnliches Bild. Während Menschen, die einen hohen Score auf der Vernachlässigungsskala erzielt haben, auch einen geringeren Score auf den Skalen für Optimismus, Schlafproblemen und Identität erzielen, gilt das für Menschen, die eine strikte Erziehung hatten, in keinem der Fälle.

Schlussendlich ein sehr umfangreicher Datensatz (n = 1887), der zeigt dass eine Vernachlässigung im Kindesalter mit emotionaler Instäbilität im Erwachsenenalter assoziiert ist und den Zusammenhang mit späteren Schlafproblemen bestätigt. Auch im Bezug auf Extroversion, Ordentlichkeit und das Einkommen zeigt sich die Vernachlässigung problematisch. Die strikte Erziehung hingegen hat keine bzw. nur eine sehr schwache Korrelation mit all diesen Aspekten.

In diesen drei unabhängigen Datensätzen zeigt die strikte Erziehung, über eine vielfältige Bandbreite an wichtiger Skalen, keinerlei negative oder positive Auswirkungen. So schlecht wie ihr Ruf scheint sie nicht zu sein. Vernachlässigung hingegen, zum Beispiel gemessen daran dass die Eltern sich nicht für die Hobbies oder Schularbeiten der Kinder interessieren, selten zu Hause sind und wenig emotionalen Support bieten, scheint einem Menschen jedoch einen sehr schädlichen Start ins Leben mitzugeben.

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