Ketamin – Die nächste Generation von Antidepressiva?

Seit etwa 10 Jahren wird Ketamin systematisch als ein Kandidat für die nächste Generation von Antidepressiva erforscht. Traditionell wird es intravenös verabreicht, seit einigen Jahren ist jedoch auch eine Variante zur intranasalen Verabreichung auf dem Markt. Die Resultate sprechen klar für die Inklusion von Ketamin in Behandlungen von Depression, jedoch mit deutlichen Einschränkungen. Zu einem breitbandigen Next-Gen Antidepressivum wird es wohl nicht aufsteigen.

Ein großer Vorteil von Ketamin gegenüber SSRI, der heutigen Generation von Antidepressiva, ist die schnelle Wirkung. Ketamin bewirkt i.d.R. schon innerhalb von 24 h eine deutliche Reduktion depressiver Symptome (siehe hier), während SSRI zuerst ein Depot aufbauen müssen und, abgesehen von dem praktisch sofortigen Effekt auf Lethargie, erst nach 1-4 Wochen eine Wirkung entfalten.

Diese Kombination von sofortiger Reduktion von Lethargie und verzögerter Stimmungsaufhellung bei SSRI birgt auch ein erhöhtes Suizid-Risiko in den ersten Wochen des Gebrauchs, welches bei Ketamin nicht beobachtet wurde. Die schnelle Wirkung und die Vermeidung dieses “Suizid-Tals” macht Ketamin also vor allem für die Behandlung von Depressionen mit suizidaler Ideation attraktiv.

Der große Nachteil von Ketamin ist die Flüchtigkeit der Wirkung. Während SSRI eine nachhaltige Reduktion depressiver Symptome bringen, verflüchtigt sich der positive Einfluss von Ketamin recht schnell (circa eine Woche). Desweiteren scheinen problematische Nebenwirkungen recht gängig zu sein, sowohl bei einmaligem sowie wiederholtem Gebrauch.

Bei einmaligem Gebrauch kommt es häufig zu Störungen in der Wahrnehmung, abnormalen Empfindungen im Körper, Derealisation, Angszuständen, Schwindel, Kopfschmerzen, und einigem mehr. All diese Symptome verflüchtigen sich jedoch schnell und bringen keine nachhaltigen Schäden, schließen jedoch auch die Verwendung von Ketamin bei psychotischen Störungen generell aus. Beim Langzeitgebrauch wurde vor allem die Entstehung einer schmerzhaften Störung der Blasenfunktion beobachtet sowie Störungen des Gedächtnisses.

Ketamin wird mittlerweile also vor allem als ein Kandidat für die Behandlung von Patienten gehandelt, deren Depression sich resistent gegenüber SSRI zeigt und welche suizidale Gedanken haben. Zu einem breitbandigen Antidepressivum scheint es sich nicht zu eignen. Zumindest die unveränderte Variante. Da sich der Wirkmechanismus von Ketamin im Vergleich zu SSRI fundamental unterscheidet, darf man hoffen dass dieser Wirkmechanismus in kommenden Jahren “domestiziert” werden kann und ein allgemeines Antidepressivum auf dieser Basis entwickelt wird.

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