Das unerwartete Profil von True Crime Fans

Wer schaut gerne Dokus über Serienmörder? Vor der Analyse wusste ich nicht genau, wie das typische Profil aussehen könnte. Vielleicht Leute, die generell Furcht vor Verbrechen haben? Oder offene Menschen, die bekannt dafür sind sich tendenziell für alles querbeet zu interessieren? Überraschenderweise sind die Menschen, die sich gerne in der Welt der brutaler Mörder verlieren, vor allem herzliche Menschen!

Die besten Prediktoren für das Interesse an True Crime Dokus sind:

  • Das Big-Five-Merkmal Herzlichkeit
  • Das Bedürfnis, andere Menschen zu berühren
  • Der Körpertyp

Je herzlicher eine Person veranlagt ist und je lieber diese Person andere Menschen berührt (z.B. an der Schulter oder durch eine Umarmung), desto größer das Interesse an Geschichten über wahre Verbrechen. Daneben, und das ist ebenso verwunderlich, spielt scheinbar auch der Körpertyp eine “gewichtige” Rolle. Menschen, die von sich berichten dass sie übergewichtig sind, berichten gleichzeitig auch ein erhöhtes Interesse an True Crime.

True Crime und Herzlichkeit:

True Crime und das Bedürfnis nach Berührung:

Zwei weitere signifikante Prediktoren sind:

  • Die Tendenz zum Hyperfokus
  • Rauchen

Von Hyperfokus kann man sprechen, wenn eine Person sich von Zeit zu Zeit so intensiv auf bestimmte Dinge stürzt (Sport, Arbeit, Hobby), dass die Person alles andere vergessen kann, inklusive anderer Verpflichtungen. Also, wie es der Name ausdrückt, eine Tendenz zur exzessiven Konzentration auf eine Sache. Typischerweise ist dies mit psychischen Störungen der Aufmerksamkeit (ADS) verbunden. Solche Menschen scheinen sich auch zum True Crime Genre hingezogen fühlen. Vielleicht weil man sich, durch die Masse an verfügbaren Videos und der Spannung, wirklich sehr gut darin verlieren kann.

True Crime und Hyperfocus:

Raucher scheinen auch True Crime mehr zu mögen als Nicht-Raucher. Es ist schwierig hier den Zusammenhang zu sehen, wobei das auch für so ziemlich alles andere in dieser Regression gilt. Nichts davon ist erwartet oder leicht zu erklären. Wieso sind es denn gerade die herzlichen, berührungsbetonten Menschen, die sich für die Taten von Serienmörder und Mordexzesse der Mafia interessieren?

Ist es vielleicht ein Effekt von Geschlecht?

Laut Studien sind Frauen tatsächlich herzlicher als Männer (im Sinne der Big Five) und haben ein größeres Bedürfnis nach Berührung. Man könnte also vermuten, dass es sich hier um einen Effekt von Geschlecht handelt, den die Regression schlicht nicht erkannt hat (die Variable Geschlecht war enthalten). Laut dieser Quelle werden 70 % der Rezensionen für True Crime Bücher von Frauen gemacht, was den Gedanken untermauert. Aber dies scheint nicht der Fall zu sein.

Ich habe die Regression getrennt nach Geschlecht gemacht, einmal nur für Frauen und nur für Männer. Es zeigt sich das gleiche Profil. Auch wenn man nur Männer betrachtet, und die Frauen somit ganz ausschließt, bleibt das Prinzip bestehen: je herzlicher und berührungsbetonter, desto größer das Interesse an True Crime. Das Interesse scheint also aus der Persönlichkeit heraus zu kommen und die Assoziation mit dem Geschlecht ist demnach nur ein Nebeneffekt dessen. Und nicht etwa umgekehrt, wie man es vermuten könnte.

Ein weiterer Hinweis noch: Beim Faktor Körpertyp könnte man vermuten, dass das gesteigerte Interesse übergewichtiger Menschen an True Crime daran liegt, dass diese vielleicht generell mehr Fernsehen schauen. Somit muss hier kein bedeutungsvoller Zusammenhang bestehen. Das scheint jedoch auch nicht der Fall zu sein. Bei keinem anderen abgefragten Genre, sowohl bei Film-Genre als auch Doku-Genre, war der Körpertyp ein signifikanter Faktor.

Wie sicher sind die Ergebnisse?

Zuletzt: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die oben angegebenen Zusammenhänge nur statistische Artefakte und nicht etwa reale Effekte sind. Ein p-Wert von 0,001 (in dieser Nähe liegen die drei Hauptfaktoren) impliziert ganz grob, dass die Wahrscheinlichkeit hier nur ein statistisches Artefakt zu sehen bei 1 zu 1000. Oder anders gesagt: Mit einer Sicherheit von 99,9 % handelt es sich um reale Effekte.

Unabhängig vom p-Wert kann man die Verlässlichkeit der Zusammenhänge auch mittels Bootstrapping prüfen. Basierend auf 1000 Samples liegt das 95 % Konfidenzintervall stets, und mit gutem Abstand von unteren Limit zum Nullpunkt, auf jener Seite, die durch das Vorzeichen der jeweiligen Koeffizienten angegeben ist. Also auch das Bootstrapping spricht dafür, dass die gemessenen Zusammenhänge verlässlich sind.

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