Körpergröße bei Männern als psychologischer Faktor

Gibt es einen Unterschied in der Persönlichkeit zwischen kleineren und größeren Männern? Bevor ich eine (nicht DIE) Antwort gebe, erstmal ein Wort zur Interpretation statistischer Unterschiede. Die Aussage “Frauen sind empathischer als Männer” ist korrekt, jedoch handelt es sich hier um eine Aussage über die Mittelwerte der beiden Gruppen, keine Aussage über bestimmte Individuen. Die richtige Interpretation der obigen Aussage ist: Wählt man zufällig eine Frau und einen Mann, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die zufällig gewählte Frau einen höheren Wert auf der Empathie-Skala erzielt als der Mann, größer als 50 % (der genaue Wert ist 60 %). Bei zehn zufälligen Ziehungen würde man also erwarten, dass in sechs Fällen die Frau empathischer ist und in vier Fällen der Mann. Auf diese Weise sind auch alle folgenden Unterschiede zu interpretieren. Es geht nie um Individuen, sondern immer um Unterschiede im Mittel.

Jetzt, wo Einigkeit über die Interpretation besteht, hier ein Unterschied, der deutlich zu Tage kommt in dem Datensatz (n = 254): Kleinere Männer sind im Mittel empfänglicher für eine große Bandbreite psychischen Problemen als große Männer. Ich mache den Anfang beim Selbstbewußtsein. In der Gruppe der Männer, die sich im Bereich 160 cm Körpergröße bewegen, berichten knapp 65 % (2 von 3) von einem geringen Selbstbewußtsein. In der Gruppe der Männer um 185 cm sind es nur 35 % (1 von 3). Der Übergang scheint recht kontinuierlich zu sein.

Kleinere Männer scheinen auch empfänglicher für praktisch alle Arten von Ängsten zu sein. Die Skala unten ist eine Zusammenfassung typischer Phobien (Flugzeug, Achterbahn, Sozial, und so weiter). Die Effektstärke ist beachtlich. Zur Einordnung: Eine effektive Psychotherapie wie z.B. CBT kann Symptome um 1 bis 1,5 Standardabweichungen senken. Der Unterschied zwischen der Gruppe der kleineren und größeren Männern beträgt knapp 1 Standardabweichung. Er fällt also deutlich ins Gewicht.

Kleinere Männer erzielen im Mittel auch einen höheren Wert auf einer Borderline-Skala. Hier sieht man ebenfalls eine beachtliche Effektstärke:

Änhliches gilt für suizidale Gedanken:

Auch bei Psychopathie (gemessen mittels dem “Dirty Dozen” Fragebogen der dunklen Triade) erzielen kleinere Männer im Mittel höhere Werte, wobei sich hier am oberen Ende der Skala ein plötzlicher Anstieg gegen den Trend zeigt. Unmöglich zu sagen, ob es sich um einen realen Effekt handelt oder nur um eine bedeutungslose statistische Schwankung. Beides ist gut denkbar.

Narzissmus gehört ebenfalls zur dunklen Triade und wurde hier mit dem gleichen Fragebogen erfasst. Entgegen dem, was man im Allgemeinen vermuten mag, erzielen größere Männer geringere Werte auf der Narzissmus-Skala als kleinere Männer.

Diese psychische Aufwühlung macht sich auch im Schlaf bemerkt. Kleinere Männer berichten von einer größeren Häufigkeit intensiver Träume:

Und häufigeren Alpträumen:

Wenig überraschend auch von mehr Schlafproblemen, aber ich habe vergessen den Graphen abzuspeichern. Vielleicht liegen die Schlafprobleme aber nicht nur an der psychischen Aufwühlung. Pragmatischere Gründe sind denkbar, denn kleinere Männer verdienen im Mittel weniger:

Und berichten häufiger, dass sie mit Finanzproblemen kämpfen:

Trotz all diesen Empfänglichkeiten sind kleinere Männer im Mittel nicht weniger glücklich als größere Männer. Wobei man mit etwas Fantasie auch hier eine U-Kurve (umgekehrt) sehen kann. Ob realer Effekt oder bloße Schwankung muss leider offen bleiben.

Einer der gängisten Meinung über große Männer ist, dass sie beim anderen Geschlecht mehr Erfolg haben. Interessanterweise gibt es hierfür keine Hinweise. Große Männer sind nicht seltener Single:

Produzieren nicht mehr Kinder:

Und haben auch nicht häufiger Sex:

Zumindest gemäß dieses Datensatzes scheint die (absolute) Körpergröße kein bedeutendes Selektionsmerkmal zu sein. Vielleicht weil bei Paaren die relative Körpergröße der Partner wichtiger ist als die absolute Körpergröße des Mannes? Andere Körpermerkmale relevanter sind? Oder die Persönlichkeit mehr zählt? Wie dem auch sei, das Nullresultat springt ins Auge.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s