Gute / Schlechte Ungleichheit

Idealerweise verdienen die reichsten 10 % etwa 8-Mal mehr als die ärmsten 10 %. Zumindest sagt mir das meine Überschlagsrechnung. Aber wie kommt man darauf?

Dass es Menschen gibt, die wenig haben, und andere, die viel haben, ist sehr wichtig für das Funktionieren einer Gesellschaft. Ohne Ungleichheit, und somit die Aussicht prinzipiell ein besseres Leben erreichen zu können, gäbe es bis auf Neigungen durch Persönlichkeitsmerkmale und die Partnersuche keinen Grund sich einen akademischen Abschluss zu erarbeiten, sich bei er Arbeit hervorzutun, Innovationen zu erforschen und zur Marktreife zu bringen, etc … Es ist nicht nur logisch, dass Mühe entlohnt wird, sondern auch fair. Der Kommunismus hat es ohne den Ansporn durch Ungleichheit versucht und wurde von der Geschichte dafür abgestraft.

Es gibt jedoch auch das andere Extrem und dieses lässt sich in afrikanischen und südamerikanischen Ländern sowie, in abgeschwächter Form, in Russland, China und den USA beobachten. Aus der Ungleichheit als gesunde Feder der Gesellschaft ist eine Gefahr für das allgemeine Wohlergehen, den sozialen Frieden und die Demokratie geworden. Während sich die untere Schicht keine Gesundheitsvorsorge und -versorgung leisten kann, können sich die Superreichen Fernsehsender, Politiker und manchmal sogar Wahlen kaufen.

Wo ist der Punkt, an dem die Ungleichheit von einer gesunden Triebkraft zur Gefahr für die Gesellschaft wird? Das lässt sich gut mit dem GINI-Koeffizient ausdrücken.

Hier findet man eine breite Erklärung für den GINI-Koeffizient. Doch das TL:DR davon ist: der GINI-Koeffizient ist eine Maßzahl für die Abweichung der tatsächlichen Verteilung des Kapitals / Besitzes von der Gleichverteilung. Ein höherer GINI-Koeffizient bedeutet eine höhere Abweichung von der Gleichverteilungskurve und damit mehr Ungleichheit. Der GINI-Koeffizient übersetzt sich auch 1-zu-1 in eine äquivalente Maßzahl: das Verhältnis von Top 10 % zu Bottom 10 %.

Wieviel Ungleichheit ist gut? Zuerst: Woran sieht man überhaupt, dass Menschen in einem Land ein gutes Leben führen? Es gibt verschiedene nützliche Indikatoren dafür: selbst berichtete Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung, Säuglingsmortalität oder, wenn man viele solcher Indikatoren zusammen nimmt, den HDI = Human Development Index. Letzterer wurde durch die UN entwickelt und wird seit Jahrzehnten für alle Länder der Welt bestimmt.

Die Länder mit dem höchsten HDI findet man hier. Deutschland ist auf Rang 4, ein exzellentes Ergebnis. Betrachtet man den GINI der Top-10 Länder, dann findet man Werte im Bereich 0,28 – 0,32. Die Antwort auf die obige Frage lautet somit: Idealerweise sollten die reichsten 10 % etwa 8-Mal soviel verdienen wie die ärmsten 10 %. Dann tut die Ungleichheit ihren Job als gesellschaftlichen Ansporn ohne die Mittel- und Arbeiterschicht in ein unwürdiges Leben zu zwingen.

Nur am Rande: In Deutschland ist diese Würde in der Verfassung verankert. Diese Verankerung kann man somit als einen konstitutionellen Auftrag an die Politik auffassen, den GINI-Koeffizienten in dem oben genannten Bereich zu halten.

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