Die folgende Analyse basiert auf den Daten der Studie “Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Lysergic Acid Diethylamide in Healthy Subjects”, welche man ab Seite 79 in der Dissertation von Patrick Dolder finden kann. In dieser Studie wurden 24 gesunden Versuchsteilnehmern 100 Mikrogramm LSD (eine mittelstarke Dosis) verabreicht und über den Trip hinweg physiologische und psychologische Daten gesammelt. Zur Erfassung der psychologischen Wirkung wurde ein validierter Fragebogen, welcher alle typischen Effekte von LSD enthält, zusammen mit einer visuellen Skala verwendet.
Die Studie bietet innerhalb des selbst gesetzten Rahmens eine fundierte Analyse, jedoch lässt sich auch darüber hinaus noch viel aus den Daten rausholen. Die folgende Analyse ist also eine Ergänzung und bringt auch einen interessanten Effekt hervor, der in der Studie nicht festgestellt wurde. Erstmal die deskriptive Statistik. Zu jedem Teilnehmer wurden die folgenden drei Parameter notiert:
- Maximale Effektstärke – Maximal berichtete Punktzahl auf der Skala
- Peak Onset – Zeit nach Einnahme, ab der ein Teilnehmer erstmals die Hälfte seines maximalen Effekts erreicht
- Peak Dauer – Zeit von Peak Onset bis zu späterem Absinken des Effekts auf die Hälfte des maximalen Effekts
- Effektverlust – Zeit nach Einnahme, ab der der Effekt auf < 10 % sinkt
Der Peak Onset liegt im Mittel bei 1,3 h mit einer Standardabweichung 0,6 h. Der Peak beginnt also typischerweise 0,5 bis 2 h nach Einnahme, eine recht große Streuung. Der nun erreichte Peak dauert dann im Mittel 5,1 h mit einer Standardabweichung von 1,5 h. Auch hier gibt es eine hohe Streuung mit typischen Werten von 3,5 bis 6,5 h. Dies ist die Dauer ab dem Peak Onset, nicht ab Einnahme. Von Einnahme bis Ende des Peaks sind es im Mittel 1,3+5,1 = 6,4 h, typischerweise zwischen 0,5+3,5 = 4 h und 2+6,5 = 8,5 h. Die Zeit von Einnahme bis zu praktisch kompletten Verlust des Effekts beträgt im Mittel 8,8 h mit einer Standardabweichung 1,9 h. Also grob von 7 bis 11 h.
Die Daten, und das wurde in der Studie nicht vermerkt, zeigen einen interessanten Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit des Onsets und der Wirkung. Bei einem schnellen Onset des Peaks ergibt sich ein stärkerer maximaler Effekt und ein längerer Peak. Zum Nachweis habe ich die Teilnehmer in zwei Gruppen unterteilt und einen T-Test durchgeführt. Die beiden Gruppen sind hier: Schneller Onset (Onset < 1,5 h, n = 11) und Langsamer Onset (Onset >= 1,5 h, n = 13).
In der Gruppe der Teilnehmer mit schnellem Onset betrug die maximale Effektstärke im Mittel 94 % mit einem 95 % Konfidenzintervall von 90 bis 97 %. Bei langsamem Onset waren es nur 78 % mit einem 95 % KI von 62 bis 83 %. Der Unterschied ist statistisch signifikant mit p < 0,01.
In der Gruppe der Teilnehmer mit schnellem Onset dauerte der Peak im Mittel 6,4 h mit einem 95 % KI von 5,7 bis 7,0 h. Bei langsamem Onset sind es nur 4,1 h mit einem 95 % KI von 3,7 bis 4,6 h. Der Unterschied ist statistisch signifikant mit p < 0,001.
Auch dauerte der gesamte Trip bei schnellem Onset länger, jedoch ist der Unterschied hier nicht signifikant. 9,4 h von 8,1 bis 10,8 h in der Gruppe mit schnellem Onset und 8,2 h von 7,4 bis 9,1 h bei langsamem Onset. Der entsprechende p-Wert ist p = 0,14.
Wieso kommt bei manchen Leuten der Peak schneller als bei anderen? Eine korrekte Antwort ist die verwendete Methode des Konsums (schnellere sublinguale Aufnahme versus langsamere oral Aufnahme), jedoch ist diese Antwort hier nicht zielführend da alle Teilnehmer der Studie diesselbe Konsummethode verwendet haben. Eine weitere generell richtige, aber hier nicht relevante Antwort ist die Reinheit der verwendeten Blotter. Nur weil 100 mcg drauf steht, muss nicht 100 mcg drin sein.
Eine weitere mögliche Antwort, diese ist hier zentral, ist die Geschwindigkeit der Verstoffwechselung. Wird das LSD schnell verstoffwechselt, dann tritt der Peak schneller auf. Das ist naheliegend, aber ich wollte es trotzdem prüfen. Ich habe zu jedem Teilnehmer noch die Zeit nach Einnahme notiert, bei welcher die Konzentration von LSD im Blut maximal war, und eine lineare Regression durchgeführt.
Es gibt einen sehr deutlichen Zusammenhang in oben angeführter Weise mit einem standardisierten Regressionskoeffizienten ß = 0,50 und p < 0,001. Die Geschwindigkeit der Verstoffwechselung erklärt etwa R² = 25 % in der Varianz des Peak Onsets. Die Verstoffwechselung ist also tatsächlich eine wichtige Komponente, erklärt aber nur einen Teil der Unterschiede zwischen den Teilnehmern. Es muss neben der Konsummethode, Reinheit und Verstoffwechselung noch andere wichtige Faktoren für den Peak Onset geben, die Daten geben dazu leider nichts her.
[…] hatte hier schon eine Analyse basierend auf den Daten von “Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Lysergic […]
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