Effekt der Pandemie auf Gewicht, Psyche, Finanzen und Alkoholkonsum

Eine kürzliche Umfrage mit n = 401 Teilnehmern (US-Amerikaner, mittleres Alter 43 Jahre, Spanne von 21 bis 78 Jahre) gibt einen Einblick auf den Effekt der Pandemie auf einige wichtige Aspekte des Lebens. Generell ergibt sich für jede der abgefragten Kategorien im Mittel eine Verschlechterung.

  • Gewicht

Für den Großteil der Teilnehmer hat sich das Gewicht nicht oder nur etwas verändert. 58 % geben keine Veränderung an, 17 % ein Plus von 5 kg und 7 % ein Minus von 5 kg. Das macht insgesamt 82 % der Teilnehmer mit nur geringen Veränderungen. Bei den restlichen Teilnehmern berichten 14 % von einem Plus >= 10 kg und 4 % von einem Minus >= 10 kg. Es gibt also eine klare Verzerrung in Richtung Zunahme. Auf jeden Teilnehmer mit starker Abnahme kommen 3,5 Teilnehmer mit starker Zunahme.

Korrelativ zeigt sich Neurotizismus (emotionale Labilität) als Risikofaktor für Zunahme während der Pandemie. Bei jenen mit geringem Score auf der Neurotizismus-Skala ist das Verhältnis 3,1 : 1 für starke Zunahme zu starker Abnahme, bei jenen mit hohem Score sind es hingegen 4,9 : 1. Die Signifikanz des Unterschieds ist p < 0,01.

  • Psychische Gesundheit

Eine sehr deutliche Verzerrung gibt es auch bei der selbstberichteten Veränderung der psychischen Gesundheit. 48 % berichten keine Veränderung. 10 % und 2 % nennen eine moderate bis deutliche Verbesserung, 33 % und 7 % eine moderate bis deutliche Verschlechterung. Auf jeden Teilnehmer, der eine Verbesserung bei sich festgestellt hat, kommen also 3,3 Teilnehmer, die eine Verschlechterung erlebt haben.

Hier sind Geschlecht und Neurotizismus die größten Risikofaktoren. Bei Männern beträgt das Verhältnis von Verschlechterung zu Verbesserung 2,8 : 1, bei Frauen ist es 4,0 : 1 (p < 0,01). Bei Neurotizismus beträgt das Verhältnis 2,6 : 1 unter jenen mit geringem Score und 3,8 : 1 (p < 0,001) unter jenen mit hohem Score. Die Verschlechterung scheint also vor allem unter jenen, die schon vor der Pandemie emotionale Schwierigkeiten hatten, besonders ausgeprägt.

  • Finanzen

Bei 50 % der Teilnehmer hat die Pandemie keine Veränderung der finanziellen Situation gebracht. Eine moderate und deutliche Verbesserung haben 14 % und 3 % erlebt, eine moderate und deutliche Verschlechterung 23 % und 9 %. Macht ein Verhältnis 1,9 : 1 für Verschlechterung zu Verbesserung.

Hier scheint vor allem die Bildung einen großen Einfluss zu haben. Bei jenen, deren höchster formaler Abschluss das High School Diplom ist, liegt das Verhältnis bei 2,8 : 1 Verschlechterung zu Verbesserung. Bei Teilnehmern mit einem Master’s oder höher ist es hingegen 0,9 : 1 (p < 0,001). In dieser Gruppe gab es demnach sogar leicht mehr Teilnehmer mit Verbesserung statt Verschlechterung.

  • Alkohol

59 % der Teilnehmer haben keine Veränderung im Alkoholkonsum bemerkt. Moderat und deutlich weniger haben 12 % und 5 % getrunken. Moderat und deutlich mehr 19 % und 6 %. Auf jeden mit Konsumreduktion kommen also knapp 1,5 Teilnehmer mit einer Konsumsteigerung.

Die Veränderung zeigt eine sehr klare Altersabhängigkeit. In der Gruppe 20-29 Jahre ist das Verhältnis von Steigerung zu Reduktion 3,1 : 1. In der Gruppe der 60+ Jahre liegt es recht exakt bei 1 : 1 (p < 0,001). Ein massiver Unterschied.

  • Interkorrelationen

Die verschiedenen Veränderungen zeigen auch untereinander Korrelationen. Nennenswert ist vor allem die Korrelation zwischen Veränderung psychischer Gesundheit und Veränderung von Finanzen (r = 0,31 mit p < 0,01). Diese beiden Variablen scheinen besonders häufig Hand in Hand zu gehen, im Guten wie im Schlechten. Auch recht eng ist die Korrelation zwischen Veränderung psychischer Gesundheit und Veränderung des Alkoholkonsums (r = 0,25 mit p < 0,01). Die Korrelation zwischen Finanzen und Alkoholkonsum ist hingegen recht schwach (r = 0,14 mit p < 0,05). Die Veränderung des Gewichts zeigt mit keiner der anderen Variablen eine nennenswerte Assoziation (r < 0,15 für alle möglichen Paare).

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