Ich habe vor kurzem die Subreddits r/opiates und r/heroin gezielt nach Strängen abgesucht, in welchen Heroinsüchtige über die Wege der Geldbeschaffung reden. Insgesamt habe ich relevante Beiträge von n = 152 Usern gefunden. Die Auswertung der Beiträge gibt einen interessanten Einblick in das Leben von Menschen, bei denen sich jeder Tag um die Beschaffung von Geld und Drogen dreht.
Ganz wichtig: Ich möchte hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Genauigkeit stellen. Um eine Verzerrung so gut es geht zu vermeiden, habe ich jeden Beitrag, der relevant ist, in die Analyse aufgenommen. Da die Sammlung der Daten aber über ein Online-Forum lief, muss man von einer bestehenden Verzerrung ausgehen. Die Stimmen der Heroinsüchtigen, die das Forum nicht nutzen oder keinen Zugang zum Internet haben, konnten nicht berücksichtigt werden. Die Berücksichtigung dieser könnte alle genannten Prozentzahlen deutlich verschieben, ob nun nach oben oder nach unten. Insofern sollte man die folgende Sammlung eher als einen groben Einblick sehen. Auf Wertungen will ich auch absehen.
Gewöhnliche Jobs
83 User (54 % / 1 von 2) bekommen ihr Geld über einen gewöhnlichen Job. Von diesen 83 Usern berichten 55/83 User (66 %) von einer Festanstellung in Teil- oder Vollzeit. Die Bandbreite der genannten Berufe ist sehr groß, es scheint keinen typischen Job zu geben. Erwähnt wurde die Anstellung im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Büro und sogar die Tätigkeit als Anwalt. Die verbliebenen 28/83 User (34 %) gehen hingegen Gig-Jobs nach. Sie haben keine Festanstellung, schauen aber wöchentlich in die Kleinanzeigen um geeignete Arbeiten zu finden. Das sind kurzfristige Jobs wie etwa Fahrdienste, Hilfe bei Transport oder Gärtnerarbeit.
Diebstahl / Boosting
37 User (24 % / 1 von 4) geben an, durch Diebstahl an das notwendige Geld zu kommen. Mit Abstand am Beliebtesten ist dabei der Diebstahl im Einzelhandel, das machen 28/37 (76 %) dieser User. 4/37 (11 %) stehlen von Freunden und Familie. 3/37 (8 %) schlagen die Scheiben von Autos ein und entnehmen Wertgegenstände. Und weitere 2/37 (5 %) stehlen von ihrem Arbeitsplatz.
Sexuelle Dienstleistungen
24 User (16 % / 1 von 6) verdienen sich Geld mit sexuellen Dienstleistungen. Das gilt sowohl für männliche als auch weibliche Abhängige. 13/24 (54 %) dieser User bieten sich dabei für Geschlechtsverkehr an. Weibliche Abhängige in der Regel bei Männern aller Schichten, männliche Abhängige in der Regel bei Homosexuellen. 5/24 (21 %) bieten sexuelle Dienstleistungen vor der Webcam, 3/24 (13 %) verkaufen im Internet ihre Unterwäsche, 2/24 (8 %) machen reine Escort-Dienste und 1/24 (2 %) bieten Dienste als Domina.
Panhandling
13 User (9 % / 1 von 12) betreibt Panhandling. Das kann bedeuten, ganz klassisch an der Straßenseite zu betteln oder etwa Leute nach Erzählung einer erfundenen Geschichte um Geld zu bitten. So stellen sich einige z.B. vor eine Tankstelle und erzählen Passanten, dass ihr Auto kaputt gegangen ist und sie dringend Geld für ein Busticket benötigen. Oder sie Geld für Babynahrung benötigen.
Middle Man
12 User (8 % / 1 von 13) geben an, regelmäßig als Middle Man zu fungieren. Sie holen Drogen an einem bestimmten Ort ab und bringen diese zu einer Person an einem anderen Ort. Für das rechtliche Risiko, welches sie dabei eingehen, werden sie mit einem kleinen Betrag entlohnt. Viele der User, die dies betreiben, merken an, dass diese Methode neben gewöhnlicher Arbeit die angenehmste Methode ist, um schnell an Geld zu kommen. Nicht die lukrativste, aber die angenehmste.
Drogenhandel
10 User (7 % / 1 von 15) verkaufen selbst Drogen, um ihren Konsum zu finanzieren. Die meisten verkaufen dabei entweder Cannabis oder die Medikamente, welche ihnen vom Arzt verschrieben wurden. So verkauft etwa ein User, bei welchem ADS diagnostiziert und Ritalin verschrieben wurde, dieses Medikament an College-Studenten, um sich von dem Erlös Heroin zu kaufen.
Reselling / Flipping
8 User (5 % / 1 von 20) nutzen die legale Methode des Resellings. Wenn sie sehen, dass ein Produkt im Laden im Angebot ist und sich dieses Produkt zu einem höheren Preis online verkaufen lässt, erwerben sie das Produkt in großer Menge im Laden und verkaufen es mit Profit auf Amazon weiter.
Eigentum verkaufen
8 User (5 % / 1 von 20) geben an, persönliche Dinge zu verkaufen, sobald das Geld knapp wird. Dabei scheint nichts sicher zu sein: Kleidung, Möbel, die geliebte Gitarre, den Heim-PC und gar das Auto.
Blutspenden
4 User (3 % / 1 von 40) bezeichnen das Blutspenden als einen Hustle, den sie häufig betreiben. Für die Blutspende erhalten sie einen kleinen Betrag, mit welchem sie dann Drogen erwerben. Gemäß eines Users lassen sich damit überraschend hohe Summen erzielen, wenn man jede Gelegenheit nutzt.
Raubüberfälle
4 User (2 % / 1 von 40) geben an, über Raubüberfälle an Geld zu kommen. Ein User berichtet z.B. davon, einen naiven College-Studenten, der vom Geld der Eltern Cannabis gekauft und an der Uni verkauft hat, bei einem Deal mit einer Waffe überfallen zu haben.
Betrug
3 User (2 % / 1 von 50) verdienen Geld mit Betrügereien. Mehrfach genannt wurde dabei der Verkauf gefälschter Produkte wie Uhren und Schmuck.
Bezahlte Umfagen
3 User (2 % / 1 von 50) nutzen Online-Plattformen, auf welchen sie Geld für das Beantworten von Umfragen erhalten. Ein Beispiel hierfür ist die Plattform MTurk
Hinweis zum Schluss: Wieso addieren sich die fettmarkierten Prozente nicht auf 100 Prozent? Das liegt daran, dass viele User gleich mehrere Methoden nutzen. Etwa sexuelle Dienste anbieten und Eigentum verkaufen. Oder einem gewöhnlichen Job nachgehen und trotzdem stehlen, wenn es eng wird. Für jeden User wurden stets alle Methoden der Geldbeschaffung notiert, die dieser verfolgt.
Zum Anteil Männer und Frauen unter den n = 152 Usern lässt sich keine konkrete Zahl nennen. Eine Angabe des biologischen Geschlechts gab es nur in Einzelfällen. Jedoch konnten die User weibliche und männliche Avatare für ihr Profil wählen. Nach diesen dürfte der Großteil dieser User (etwa 80 %) männlich sein. Es dürfte sich bei fast allen Usern auch um US-Amerikaner handeln, da bei Nennung eines Ortes oder einer Region, diese in jedem Fall in den USA lag und die Subforen auch bekannt dafür sind, hauptsächlich von US-Amerikanern genutzt zu werden.