Nicht jede Impfung resultiert in einer ausreichenden Immunantwort. Bei manchen Menschen enthält das Blut nach abgeschlossener Impfung keine nachweisbaren Antikörper oder Antikörper in unzureichender Konzentration (hier definiert als FRNT50 < 50). Neutralisationstest zeigen dabei eine deutliche Abhängigkeit vom Alter. Hier ein Überblick über fünf Studien. Angegeben ist stets der Anteil Probanten, bei denen die Immunantwort nicht nachweisbar oder schwach war sowie das entsprechende 95 % Konfidenzintervall. Die spezifischen Anteile hängen natürlich immer davon ab, welcher Impfstoff verwendet wurde und gegen welche Variante das Blut getestet wurde, jedoch zeigt sich in jeder der fünf Studien ein erhöhtes Risiko für einen unzureichenden Impfschutz im hohen Alter.
Age-dependent immune response to the Biontech/Pfizer BNT162b2
< 60 Jahre: 8 % [3 %, 15 %]
> 60 Jahre: 60 % [49 %, 70 %]
Neutralization of SARS-CoV-2 variants by BNT162b2 vaccinated serum
Bei der Alpha-Variante:
< 60 Jahre: 6 % [1 %, 20 %]
60-80 Jahre: 27 % [8 %, 55 %]
Bei der Beta-Variante:
< 60 Jahre: 45 % [27 %, 64 %]
60-80 Jahre: 87 % [59 %, 98 %]
Delayed Antibody and T-Cell Response to BNT162b2 Vaccination
< 60 Jahre: 2 % [0 %, 6 %]
> 60 Jahre: 11 % [1 %, 21 %]
< 60 Jahre: 11 % [8 %, 15 %]
60-80 Jahre: 18 % [8 %, 32 %]
Antibody Response to COVID-19 vaccination in Patients Receiving Dialysis
< 60 Jahre: 6 % [3 %, 10 %]
60-80 Jahre: 13 % [9 %, 19 %]
> 80 Jahre: 19 % [11 %, 28 %]
Poolt man die Risk Ratios RR, dann erhält man:
RR(60-80 vs <60) = 2,5 [1,5, 4,5]
RR(>80 vs <60) = 5,2 [1,8, 14,9]
Die Wahrscheinlichkeit eines unzureichenden Impfschutzes dürfte in der Altersgruppe 60-80 demnach etwa 2,5-Mal so hoch sein wie in der Altersgruppe <60 und in der Altersgruppe >80 sogar 5,2-Mal so hoch. Beide Ergebnisse sind statistisch signifikant mit p < 0,001. Das Ergebnis deckt sich mit Studien zu Impfstoffen gegen die Grippe, auch dort gibt es im hohen Alter oft eine unzureichende Immunantwort. Und es verdeutlicht die Notwendigkeit von zeitigen Boostern für Menschen 60 Jahre oder älter. Erste Studien zur dritten Dosis haben schon gezeigt, dass das Risiko eines unzureichenden Impfschutzes 28 Tage nach dritter Dosis deutlich kleiner ist als 28 Tage nach zweiter Dosis.
Es ist kein Naturgesetz, dass eine vollständige Impfung gegen Covid nur zwei Dosen enthalten soll. Es gibt Krankheiten, gegen welche die Impfung erst nach vier oder fünf Dosen als abgeschlossen gilt. Das Schema der zwei Dosen gegen Covid war vor allem eine Folge des Zeitdrucks. Die Zeit, ein Schema über zwei Dosen hinaus zu testen, war schlicht nicht gegeben. Es ist aber auch kein Naturgesetz, dass jede Altersgruppe einen Booster braucht bzw. davon überhaupt profitieren würde. Ob das so ist wird sich über die nächsten Monate zeigen.