Depression und probiotische Nahrungsergänzung – Die Datenlage

Seit circa 10 Jahren wird intensiv an der Gut-Brain-Axis (Darm-Hirn-Achse) geforscht, insbesondere am Zusammenhang dieser Achse mit der psychischen Gesundheit. Im Zuge dessen sind probiotische Nahrungsergänzungsmittel in den Fokus gerückt. Mittlerweile gibt es fünf Meta-Studien, alle veröffentlicht nach 2015, die anhand der Zusammenfassung von Ergebnissen randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) untersuchen, ob die Einnahme von probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln Symptome von Depression lindern kann. Man darf sehr optimistisch sein.

Unten ein knapper Blick auf die fünf Studien, aber erst das Große und Ganze. In jeder der fünf Studien wird festgestellt, dass Menschen, bei denen depressive Symptome in der Baseline deutlich vorhanden sind (depressive Probanten), von der Einnahme probiotischer Nahrungsergänzungsmittel deutlich profitieren. Der Effekt hat im gewichteten Mittel eine Stärke von 0,85 Standardabweichungen (p < 0,01). Um das einordnen zu können: Es kommt in der Stärke nicht ganz an den Gold-Standard der Behandlungsmethoden bei Depression (CBT, SSRI) heran, ist aber auch nicht sonderlich weit abgeschlagen. Die Effektstärke ist vergleichbar mit Behandlungsmethoden “zweiter Klasse” wie z.B. regelmäßigem Sport. Das ist beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, wie einfach es ist, die Einnahme dieser Ergänzungsmittel in sein Leben zu integrieren und keinerlei Nebenwirkungen zu erwarten sind.

Für Menschen, bei denen nur wenige depressive Symptome in der Baseline vorhanden sind (gesunde Probanten), ist die festgestellte Linderung depressiver Symptome nicht ganz so stark, in vier der fünf Meta-Studien aber trotzdem noch bequem signifikant. Die Stärke des Effekts beträgt hier 0,27 Standardabweichungen (p < 0,01), wieder im gewichteten Mittel über die fünf Studien.

Eine der Meta-Studien enthält neben dem Blick auf randomisierte kontrollierte Studien eine zusätzliche Untersuchung von Beobachtungsstudien, welche eine Messung der Darmbakterien vornehmen. Dort wird festgestellt, dass bei Menschen mit starken depressiven Symptome vor allem diese drei Bakterienarten nur in reduzierte Konzentration vorhanden sind: Prevotellaceae, Coprococcus und Faecalibakterium.

Eine Dose-Response-Relationship wurde in keiner der Meta-Studien festgetellt, aber auch leider in keiner untersucht. Zwei der Studien haben zusätzlich den Effekt von probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln auf auf Symptome von Angsterkrankungen untersucht. Es ergibt sich im Prinzip ein Nullergebnis. In einer Studie wurde ein verschwindend geringer Effekt gefunden (SMD = 0,12 / p < 0,05), in der anderen Studien gar kein Effekt.

Die Studien:

Huang et al. 2016

  • 5 RCTs, n = 365
  • SMD = 0,30 [0,09, 0,51] mit p < 0,01
  • Gesunde Probanten: SMD = 0,25 mit p < 0,05
  • Depressive Probanten: SMD = 0,73 mit p < 0,05

Ng et al. 2018

  • 10 RCTs, n = 1349
  • SMD = 0,13 mit p > 0,05 (n.s.)
  • Gesunde Probanten: n.s.
  • Depressive Probanten: SMD = 0,68 [0,07, 1,30]

Lin et al. 2019

  • 34 RCTs
  • SMD = 0,24 mit p < 0,01
  • Depressive Probanten: SMD = 0,73 mit p < 0,001
  • Nur schwacher Effekt auf Angsterkrankungen

Chao et al. 2020

  • 10 RCTs, n = 685
  • SMD = 0,48 [0,26, 0,71]
  • Keine Subgruppenanalyse
  • Kein Effekt auf Angsterkrankungen

Sanada et al. 2020

  • 10 Observationsstudien, n = 701
  • Depressive Probanten: Reduzierte Konzentration Prevotellaceae, Coprococcus und Faecalibakterium
  • 6 RCTs, n = 302
  • Depressive Probanten: SMD = 1,62 [0,51, 2,73]

Kleine Anmerkung zum Schluss: Wenn probiotische Nahrungsergänzungsmittel, dann idealerweise gleich welche, die auch Inulin als Futter für die Bakterien enthalten (oder separat Inulin zu sich nehmen)

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